Kim und Trump: Wenn die Kriegsgefahr real wird

Kommentar11. August 2017, 18:17
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Nordkoreas Atomprogramm und Trumps Unberechenbarkeit heizen Nuklearkrise an

Es ist wie ein anschwellender Bocksgesang: US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un übertreffen einander gerade mit Kriegsrhetorik. Aber nicht nur die apokalyptischen Aussagen von Feuer und Zorn, mit denen Trump Nordkorea droht, sind Anlass zu größter Sorge. Es sind die konkreten Vorbereitungen, die plötzlich die Kriegsgefahr real werden lassen.

Tatsächlich verfügt Nordkorea inzwischen über eine Interkontinentalrakete, die einen nuklearen Sprengkopf tragen und die USA erreichen kann. Auch wenn Experten auf technische Probleme verweisen, so hat Pjöngjang diese Rakete entwickelt und damit viele überrascht. Unbestritten ist, dass Kim Jong-un Mittelstreckenraketen zur Verfügung hat, die die Insel Guam erreichen können. Damit ist nicht nur der US-Stützpunkt in Reichweite, sondern diese Raketen würden Japan überfliegen und den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea auf die ganze Region ausdehnen.

Dass Trump auf die Provokationen aus Pjöngjang seinerseits mit einer "militärischen Lösung" reagiert und in einem Tweet darauf verweist, dass die Vorbereitungen vollständig abgeschlossen seien, zeugt von einer weiteren Eskalationsstufe. Er beruhigt nicht, sondern heizt den Konflikt weiter an. Damit ist auch klar, dass die erste Aussage von Feuer und Zorn ernst gemeint war, obwohl Auguren in Washington noch versicherten, dass das mit den Beratern nicht abgesprochen sei.

Genau das ist das Problem: dass man weder bei Kim Jong-un noch bei Donald Trump weiß, wie weit sie zu gehen bereit sind. Dass Fachleute beide für Psychopathen oder gar für verrückt halten, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Die Frage ist: Wie sehr haben sie sich im Griff? Wer hat Einfluss auf die beiden? Kann diese Spirale noch gestoppt werden?

Es hat den Anschein, als ob dieser Konflikt zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit zwischen zwei Machthabern geworden ist. Aber es handelt sich nicht nur um einen verbalen Schlagabtausch zwischen zwei Egomanen, die damit Eindruck schinden wollen, sondern um ein militärisches Säbelrasseln in einer Region, in der in den vergangenen Jahrzehnten oft mühsam die Balance gewahrt worden ist. Davon hing aber das politische und militärische Gleichgewicht in der östlichen Hemisphäre ab.

Schon der Großvater und der Vater von Kim Jong-un haben die Präsidenten in Washington geärgert. Aber seit mehr als 70 Jahren saßen dort Männer, die sich durch solche Provokationen nicht derart reizen ließen wie Trump. Er ist nach nicht einmal acht Monaten im Amt noch ein Neuling, und Bedächtigkeit gehört nicht gerade zu seinen herausragendsten Eigenschaften.

Es gibt drei Szenarien aus Washingtoner Sicht: einen Präventivschlag, eine Reaktion auf einen Angriff aus Nordkorea und eine diplomatische Lösung. Für Letzteres brauchte Trump China, das sich bisher sichtbar nicht besonders engagiert hat. Zu Peking hat Trump aber nicht das beste Verhältnis.

Obwohl er in der Schweiz im Internat war, ist der nordkoreanische Diktator nicht mit hiesigen politischen Maßstäben zu messen. Es ist nicht klar, welches Ziel er – außer dem Überleben seines Regimes – verfolgt. Aber anders als seine Vorfahren verfügt er tatsächlich über ein Atomwaffenarsenal, die nukleare Bedrohung ist damit eine reale. Die Welt ist derzeit mit einer der gefährlichsten Nuklearkrisen seit jener um Kuba 1962 konfrontiert.(Alexandra Föderl-Schmid, 12.8.2017)

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