Bahnfahren im Baustellensommer: Vom Zeitgeben und -nehmen

    12. August 2017, 15:00
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    Der Baustellensommer verlangt Geduld

    Wien – Der Charme der Anfang Juli verteilten bunten Karten ("Ferienzeit ist Baustellenzeit") war verblasst und die Mikropackung Keks, mit denen die ÖBB bei ihren Fahrgästen um Verständnis für ihre Zugverspätungen warb, längst verspeist. Da setzte am 5. August die Hardcore-Phase des Baustellensommers ein. Zu notorisch verspäteten Schnellzügen aufgrund von Bauarbeiten im Deutschen Eck kamen nun diverse Nebenbahnen, insbesondere in Niederösterreich, auf denen temporär mit Bussen vorliebzunehmen ist.

    Mit den Baustellen nicht mitzuhalten vermochte die Information der Fahrgäste. In Wiener Neustadt, dem größten regionalen Umsteigebahnhof Österreichs, fehlte es bis Freitag vor der Umstellung an akustischen wie plakativen Hinweisen. Die Tafeln an den betroffenen Provinzbahnhöfen und -haltestellen sind lesbar wie das Kleingedruckte der Kekspackung, und den generös an die Anrainer verteilten Infoblättern fehlten – kein Scherz – Angaben über Abfahrtszeiten- und -orte der Busse.

    Die ÖBB-Hotline verschaffte nur begrenzt Abhilfe. Nach zehn Minuten und elf Sekunden in der Warteschleife mit Endlosgedüdel (und dem bezeichnenden Tonbandtext "Wir nehmen uns Zeit für Sie") die erlösende Antwort: Der Schienenersatzbus in Lanzenkirchen fährt von der Hauptstraße ab. Auf den Hinweis, dass die Hauptstraße dieses Straßendorfs an die fünf Kilometer lang ist, kitzelte die hörbar genervte Dame der ÖBB-EDV doch noch die passende Antwort heraus.

    Der Schienenersatzbus war natürlich weg. Aber hätten wir uns nicht Zeit genommen, wir stünden noch immer am Bahnhof. (ung, 12.8.2017)

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      foto: apa/roland schlager
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