Premier-League: Die Bühne der Unbezahlbaren

11. August 2017, 17:09
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Die 1992 gegründete Premier League wäre ihren Erfindern heute wohl fremd. Über den Sommer hat sie sich wieder weiterentwickelt, in erster Linie finanziell. Die Titelfavoriten sind dennoch dieselben, die Österreicher bekamen Zuwachs

London – Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan ist ein reicher Mann. Ihm sind Geburtstagspartys schon mal ein paar Euro wert, so feierte Sohn Mohammed sein siebentes Wiegenfest in einem Mini-Nachbau des Etihad Stadium, mitsamt Flutlicht und Fußballskulptur. Da liegt es nahe, dass der Besitzer von Manchester City auch zum 25. Jubiläum der Premier League sehr anständig investierte. In Vorbereitung auf die dieses Wochenende beginnende Spielzeit öffnete Scheich Mansour die Petrodollarschatulle und kaufte Spieler um umgerechnet 240 Millionen Euro.

Das macht er nicht zum Spaß. Wer in dieser Premier League reüssieren will, muss beim Wettrüsten mitmachen. Roman Abramowitsch ist mehr für extravagante Silversterpartys denn für Geburtstagsfeiern bekannt, sein FC Chelsea hat zum Zweck der Titelverteidigung trotzdem Alvaro Morata gekauft (80 Millionen Euro), Romelo Lukaku war Manchester United hundert Millionen wert. Gemeinsam haben die 20 Teams der Liga die Transfer-Milliardengrenze geknackt.

Die großen Sechs

Einzig Vizemeister Tottenham hielt die Hände still, konnte immerhin Torschützenkönig Harry Kane halten. "Wir können mit Manchester United oder City am Transfermarkt nicht mithalten", sagte Trainer Mauricio Pocchetino. Man darf annehmen, dass der Titel wieder unter den Top sechs der Vorsaison ausgespielt wird, das sind die "Blues", die "Spurs", die "Citizens", die in Liverpool ballesternden "Reds", die "Gunners" von Arsenal und die "Red Devils" aus Manchester.

Auch einige Österreicher dürfen in der Millionenshow mitmachen, da wären Marko Arnautovic (West Ham), Kevin Wimmer (Tottenham), Christian Fuchs (Leicester), Markus Suttner (Brighton & Hove Albion) sowie Sebastian Prödl und Daniel Bachmann (Watford). Vor allem Ersterer muss angesichts seines 27-Millionen-Euro-Preiszettels liefern, die frisch ins Olympiastadion gezogenen "Hammers" dürften auch dank Neuzugängen wie Joe Hart und Chicharito eines der spannenderen Teams sein.

Trainerspektakel

Das gilt auch für Huddersfield. Der Sensationsaufsteiger hat "nur" 43 Millionen Euro investiert, Trainer David Wagner ist trotzdem selbstbewusst: "Wir wollen uns kein Limit setzen und uns selbst beschneiden." In der zweiten Liga konnte der Klopp-Intimus und -Schüler Wagner seine Kontrahenten an der Seitenlinie oft ausmanövrieren, das wird nun schwieriger. Die Trainerbänke der Premier League könnte man durch Throne ersetzen, keine Liga hat renommiertere Übungsleiter.

Zwei Branchengrößen brüten schon zu Saisonstart auf einem Schleudersitz. Pep Guardiola und José Mourinho enttäuschten ihre jeweiligen Arbeitgeber aus Manchester in ihren Premierensaisons, auch dadurch erklärt sich einleitend erwähnte Investitionswut. "Bei Barcelona oder Bayern bekommt man keine zweite Chance – hier schon. Ich werde versuchen, es besser zu machen", sagte ein demütiger Guardiola schon im Mai.

Gesetz der Serie

Von dem exzentrischen Mourinho darf man derlei Töne nicht erwarten, das Gesetz der Serie schreibt aber sowieso einen Meistertitel vor. Der Portugiese wurde bei jedem seiner letzten fünf Engagements (Porto, Chelsea, Inter, Real, Chelsea) in der zweiten Saison Meister. Das ist auch heuer der Anspruch.

Gleiches gilt in Liverpool. "Die ganze Stadt wartet auf diesen Titel", sagt Emre Can. Ach ja, auch Arsenal will mit Königstransfer Alexandre Lacazette mitmischen. Es wird eine Party. (schau, sid, 11.8.2017)

  • Beim 1:2 im UEFA-Supercup gegen Real Madrid traf Manchester-United-Stürmer Romelo Lukaku bereits. Manchmal schießt Geld Tore.
    foto: reuters/keogh

    Beim 1:2 im UEFA-Supercup gegen Real Madrid traf Manchester-United-Stürmer Romelo Lukaku bereits. Manchmal schießt Geld Tore.

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