Ungarischer Bischof für Abkehr vom Pflichtzölibat

11. August 2017, 11:29
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Diözesanbischof Beer in Interview mit Online-Portal: "Ich glaube, es ist an der Zeit"

Budapest – Viel Beachtung findet derzeit in Ungarn ein Interview des Diözesanbischofs von Vac, Miklos Beer, wie Kathpress meldet. Vor dem Hintergrund des wachsenden Priestermangels spricht er sich darin für eine Abkehr vom Pflichtzölibat aus.

Auch geeignete verheiratete Männer könnten nach einer entsprechenden umfassenden Ausbildung katholische Priester werden. "Ich glaube, es ist an der Zeit", so Beer mit Blick auf den wachsenden Priestermangel.

Im Gespräch mit dem christlichen Online-Portal "szemlelek.blog.hu" kündigte der 74-jährige Bischof an, dass er sich mit seinen Anliegen beim Thema der Zulassungsvoraussetzungen zum Priesteramt auch an den Papst wenden werde. In seiner Diözese könne er derzeit rund zehn offene Pfarrerposten nicht nachbesetzen, sagte Beer.

Ein schönes Familienleben hilft

"Es ist nicht länger möglich so weiter zu machen, dass wir Priester aus dem Ausland, aus Polen oder aus Indien erwarten." Ziel müsse sein, Menschen zu finden, denen man die Leitung einer katholischen Kirchengemeinde anvertrauen kann. Für den Bischof zählen dazu auch Männer, "die ein glaubwürdiges, schönes Familienleben führen".

Beer sorgt sich um die "geistliche Führung" der Kirchengemeinden der Zukunft. Es reiche nicht mehr aus, Plätze in den Priesterseminaren zur Verfügung zu stellen. Dies sei eine "Selbsttäuschung", meinte er in dem Interview. Auch er selbst kenne geeignete verheiratete Männer, die nach einer entsprechenden Ausbildung als Pfarrer der Kirche dienen können: "Ich würde die für das Amt geeigneten verheirateten Männer ansprechen und zu dieser Berufung einladen und ihnen diese Aufgabe anvertrauen."

Ein klares Nein kommt von Beer zum Vorschlag, Ständige Diakone quasi als Ersatz für Priester in Pfarren zu entsenden. Der Ständige Diakonat sei "eine andere Mission", und solle auch nicht Übergang zum Priestertum sein, betonte Beer. "Vermischen wir es also nicht mit dem Priesteramt!" (APA, 11.8.2017)

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