Trump via Twitter: US-Arsenal bereit, sollte Nordkorea "Unkluges tun"

Video11. August 2017, 15:06
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Weitere verbale Hiebe gegen Nordkorea. US-Präsident: Nordkorea könnte große Probleme bekommen – Verteidigungsminister Mattis: USA ziehen Diplomatie vor

Bedminster/Seoul – Im eskalierenden Streit zwischen den USA und Nordkorea hat US-Präsident Donald Trump direkt mit einem militärischen Vorgehen gedroht.

"Die militärischen Lösungen sind nun vollständig vorbereitet, geladen und entsichert, sollte Nordkorea sich unklug verhalten", schrieb Trump am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. US-Verteidigungsminister James Mattis war indes um Entspannung bemüht.

Washington und Pjöngjang hatten die gegenseitigen Drohungen zuletzt immer weiter verschärft. Trump hatte am Dienstag zunächst gedroht, die USA würden "mit Feuer und Zorn" auf weitere Provokationen reagieren. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff nahe der US-Pazifikinsel Guam.

Trump hatte schon am Donnerstag einmal nachgelegt und erklärt, seine Botschaft sei "vielleicht nicht hart genug" gewesen. "Nordkorea sollte sich lieber zusammenreißen, sonst wird es Ärger kriegen wie nur wenige Staaten zuvor." Nordkorea sollte "sehr, sehr nervös" sein.

Nach Einschätzung des republikanischen Senators Lindsey Graham wäre US-Präsident Donald Trump zu einem Präventivschlag gegen Nordkorea bereit, um das Land von einem Atomangriff auf US-Territorium abzuhalten. "Wenn Verhandlungen scheitern, dann ist er bereit, die 'strategische Geduld' aufzugeben und Präventivmaßnahmen zu ergreifen", sagte Graham. US-Verteidigungsminister James Mattis betonte allerdings kurz danach, die USA zögen weiterhin den diplomatischen Weg vor. Ein Krieg wäre eine Katastrophe. Die USA seien allerdings bereit, auf Feindseligkeiten Nordkoreas zu reagieren.

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Die ORF-Korrespondenten in Washington und Peking, Hannelore Veit und Josef Dollinger, erläutern die jüngsten Entwicklungen im Konflikt zwischen Nordkorea und den USA.

Nordkorea bezeichnete Trumps Feuer-und-Zorn-Äußerung als "einen Haufen Unsinn". Ein fundierter Dialog sei mit dem US-Präsidenten nicht möglich. Dieser sei keiner Vernunft zugänglich, und nur "absolute Gewalt" funktioniere bei ihm, hieß es in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Außerdem konkretisierte die Führung in Pjöngjang ihre Angriffsdrohung. Bis Mitte August solle der Einsatzplan stehen, um vier Mittelstreckenraketen über Japan hinweg auf Guam abzufeuern, meldete KCNA. Die Raketen sollten demnach 30 bis 40 Kilometer vor Guam im Meer niedergehen. Experten in Südkorea warnten, die USA würden jeden Raketenabschuss in Richtung ihres Hoheitsgebietes als Provokation werten, selbst wenn Nordkorea den Start nur als Test deklarieren würde. Aus Furcht vor einem militärischen Konflikt gaben die Aktienmärkte weltweit seit Tagen nach.

Guam reagiert gelassen

Auf Guam leben rund 163.000 Menschen. Die USA haben dort eine Luftwaffenbasis, einen Marinestützpunkt mit U-Booten, eine Einheit der Küstenwache und rund 6.000 Militärangehörige. Guams Gouverneur Eddie Calvo gab sich betont gelassen. "Wir sind besorgt wegen dieser Drohungen, wollen aber gleichzeitig sicherstellen, dass die Menschen nicht in Panik verfallen und ihr normales Leben weiter führen. Viel Spaß am Strand", sagte er zu Reuters.

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Der südkoreanische Politologe Lee Choon-geun warnte, es bestehe die Gefahr, dass eine Rakete doch näher an Guam einschlagen könnte als beabsichtigt. "Die USA werden es als offenkundigen Angriff betrachten, wenn sie (die Rakete) in ihren Hoheitsgewässern niedergeht", sagte er. Angesichts dieses Risikos würden die USA versuchen, das Geschoß abzufangen, bevor es in der Nähe ihres Hoheitsgebietes niedergeht. "Dies könnte die Bedrohung auf eine nie dagewesene Stufe erhöhen."

Australien würde mitkämpfen

Die führenden Sicherheitsberater der Regierungen in Seoul und Washington haben sich am Freitag darauf geeinigt, alle möglichen Maßnahmen gegen Nordkorea im Voraus zu diskutieren. Laut einem Regierungssprecher in Seoul wurde dies bei einem Telefonat zwischen dem Leiter des Nationalen Sicherheitsrates Südkoreas, Chung Eui-yong, und seinem US-Kollegen McMaster besprochen.

Australiens Premier Malcolm Turnbull sagte derweil, sollte es zu einem Krieg gegen Nordkorea kommen, müsste Australien den USA militärisch beistehen.

China deutet militärische Neutralität an

China hat unterdessen angedeutet, im Fall eines militärischen Konflikts neutral bleiben zu wollen: Die staatliche Zeitung "Global Times", die als Propagandaorgan für das Ausland gilt und häufig Botschaften versendet, schrieb, Peking müsse zwar verhindern, dass die USA und Nordkorea zuerst angreifen. Sollte aber Nordkorea einen Schlag gegen die USA setzten, werde China neutral bleiben, war in einem Kommentar zu lesen.

China gelinge es nicht, die USA und Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. Sollten chinesische Interessen betroffen sein, werde China sich jedem widersetzen, der am Status quo etwas ändern wolle, so der Kommentar weiter. Der Norden der geteilten koreanischen Halbinsel stellt für China eine Pufferzone zu den im Süden stationierten US-Streitkräften dar. (APA, Reuters, red, 11.8.2017)

  • US-Präsident Donald Trump mit Vize Mike Pence und Sicherheitsberater HR McMaster in seiner Golfresidenz in Bedminster.
    foto: reuters / jonathan ernst

    US-Präsident Donald Trump mit Vize Mike Pence und Sicherheitsberater HR McMaster in seiner Golfresidenz in Bedminster.

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