In Echtzeit: Überweisen in zehn Sekunden statt über Nacht

11. August 2017, 10:00
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Auch österreichische Banken reagieren mit "Instant Payment" auf die Konkurrenz von Online-Bezahldiensten wie Paypal

Wien – Einen Gebrauchtwagen von einer Privatperson zu kaufen bedeutet derzeit: Entweder bezahlt der Käufer in bar, oder er überweist das Geld. Doch eine SEPA-Überweisung kann innerhalb Europas bis zu einem vollen Geschäftstag dauern. Erst dann hat der Käufer die Bestätigung und der Verkäufer kein Risiko mehr, dass das Geld tatsächlich auf seinem Konto verfügbar ist. Ab Ende des Jahres wird das anders. Auch in Österreich laufen dafür die Vorbereitungen.

Dann kommt die Echtzeitüberweisung, auch "Instant Payment" genannt. Dabei wird der Überweisungsbetrag (maximal 15.000 Euro) innerhalb von zehn Sekunden validiert und dem Empfänger gutgeschrieben, und zwar an jedem Wochentag. Nicht erfolgreiche Aufträge werden unmittelbar zurückgewiesen. Derjenige, der ein Auto verkauft, weiß dann sofort, ob Ihre Überweisung "durchgeht" oder nicht. "Es kommt dem Bargeld sehr nahe", sagt ein Sprecher der Europäischen Zentralbank in Frankfurt zum STANDARD. Derzeit werden zwei Instant-Payment-Strukturen in der EU aufgebaut: Das "Target Instant Payment Settlement", kurz TIPS. Es ist ein marktorientiertes Projekt der EZB, bei dem sich jede Bank beteiligen kann. Es soll Ende 2018 starten.

Liquidität am zentralen Konto

Und es gibt das System RT1 der Bankenvereinigung EBA-Clearing, das bereits im November 2017 kommen soll, aber nur Mitgliedern vorbehalten ist. Bei beiden Infrastrukturen TIPS und RT1 werden die Echtzeitzahlungen über das von den europäischen Notenbanken betriebene System Target verrechnet. Target ist ein Großbetragszahlungssystem, mit dem Zweck, bei der Überweisung von größeren Beträgen zwischen Banken mittels Echtzeittechnik das geschäftliche Risiko herauszunehmen. Jetzt wird Target um TIPS erweitert.

Teilnehmende Banken können einen Teil ihrer Liquidität auf ein Konto bei ihrer Zentralbank zurücklegen. Von dort werden die Echtzeitüberweisungen dann rund um die Uhr abgewickelt. Die EZB hat den Banken für die ersten zwei Jahre eine Gebühr von maximal 0,02 Cent pro Transaktion zugesichert. Wie die Kosten an die Kunden weitergegeben werden, ist Sache der Banken.

Bisher gab es zwischen Banken für die Abwicklung von SEPA-Zahlungen innerhalb Europas mehrere Optionen: den direkten Anschluss an ein paneuropäisches Clearing-Haus wie EBA-Clearing, die Teilnahme an einem nationalen Clearing-Haus, das über ein internationales Clearingnetzwerk wie zum Beispiel den Verband EACHA erreichbar ist, oder über bilaterale Korrespondentenbankenverbindungen. Diese werden jetzt über die erwähnten Instant-Payment-Systeme erweitert.

Einheitliche Lösung gesucht

Auf welches System die österreichischen Banken setzen werden, ist noch unklar. Die Raiffeisen Bank wird das System RT1 ab November 2017 anbieten. TIPS beobachte man und werde "sich bei Bedarf auch dort anschließen", so ein Sprecher. Die Erste Bank befindet sich mit beiden Systemen in einer Pilotphase und wird mit RTS1 auch im November starten. Die Bank-Austria-Mutter Unicredit wird das RT1-System "noch dieses Jahr" in Deutschland und Italien einführen. Eine Implementierung in Österreich werde "nicht vor 2018 erfolgen", sagt ein Sprecher. Bei der Oberbank plane man Echtzeitüberweisungen bis Ende 2018.

"Für eine sinnvolle Nutzung von Instant-Payments müssen möglichst viele Personen erreichbar sein", sagt der Direktor für Zahlungsverkehr bei der Nationalbank, Stefan Augustin, dem STANDARD. Man sei mit den Banken in Gesprächen und organisiere Ende September eine Klausur, um eine einheitliche Lösung für den österreichischen Markt zu unterstützen. Denn wenn eine Bank TIPS verwendet, eine andere aber RT1, ist eine Echtzeitüberweisung zwischen den beiden nicht möglich. Für den Instant-Pay-Markt in Österreich erscheinen zwei Szenarien möglich: Entweder würden sämtliche heimischen Banken auf derselben Instant-Payment-Plattform vertreten sein oder die einzelnen Banken beide Infrastrukturen parallel anbieten, heißt es von der OeNB. Anfang nächsten Jahres wisse man dann, in welche Richtung die Reise gehen werde. (Felix Diewald, 11.8.2017)

  • Ende 2017 werden die ersten österreichischen Banken Echtzeitüberweisungen anbieten. Der Rest zieht 2018 nach.
    foto: dpa/balk

    Ende 2017 werden die ersten österreichischen Banken Echtzeitüberweisungen anbieten. Der Rest zieht 2018 nach.

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