Tod eines Rekruten: Politische Verantwortung

Kommentar10. August 2017, 17:43
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Der Grundwehrdienst darf kein lebensgefährliches Unterfangen sein

Ein 19-jähriger Rekrut kam vergangene Woche bei einem Gewaltmarsch seiner Bundesheer-Einheit ums Leben. Der Jugendliche starb an Überhitzung. Der tödliche Ausgang dieser sinnlosen Schinderei ist ein tragischer Einzelfall. Die Schinderei an sich, der raue, oft menschenverachtende Umgangston in den Kasernen, der Versuch, jungen Menschen Disziplin beizubringen, indem man ihnen jeglichen Widerstandsgeist austreibt, das alles ist kein Einzelfall. Das Heer will aus jungen Menschen kampftaugliche Einsatzkräfte machen und ihnen die natürliche Hemmung vor dem Töten nehmen. So geht Krieg.

Die politische Verantwortung liegt bei Hans Peter Doskozil, dem Verteidigungsminister. Die SPÖ wollte ihn im Wahlkampf als kompetenten Sicherheitsexperten, der vom Bundesheer bis zur Polizei alles weiß und kann, präsentieren. Jetzt stellt sich die Frage, ob Doskozil die Sicherheit der ihm anvertrauten jungen Menschen garantieren kann.

Wenn Doskozil seiner politischen Verantwortung nachkommen will, muss er nicht nur eine umfassende und rasche Klärung der Hintergründe, die zum Tod des Rekruten geführt haben, garantieren, er muss auch über den Einzelfall hinaus Konsequenzen ziehen, unfähige Offiziere aus den Reihen des Bundesheeres entfernen und die Ausbildung mit mehr Sinn erfüllen, als das jetzt der Fall ist. Vor allem aber darf der Grundwehrdienst kein lebensgefährliches Unterfangen sein. Wir haben keinen Krieg. (Michael Völker, 10.8.2017)

Weitere Kommentare von Michael Völker lesen sie hier.

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