Konflikt mit Nordkorea: Trumps Verteidiger rücken aus

    10. August 2017, 19:30
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    Die "Feuer und Wut"-Rede von Donald Trump beunruhigt Mitarbeiter. Sie versuchen den US-Präsidenten vor sich selbst zu schützen. Andere verteidigen ihn

    Washington/Wien – Das New York Magazine formulierte es zugespitzt, aber nicht ganz unzutreffend: "Ignorieren Sie unseren verrückten Präsidenten!", sei die Reaktion gewesen, mit der der Rest der US-Regierung auf die Ankündigung Donald Trumps reagiert habe, "Feuer und Wut" über Nordkorea ergießen zu lassen. Tatsächlich wählten Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis am Nachmittag beruhigendere Worte: Tillerson sagte auf Guam, er bezweifle, dass von Nordkorea eine akute Gefahr ausgehe. Mattis drohte Pjöngjang zwar mit "Auslöschung", betonte aber, dass diese nur dann drohe, wenn die USA oder Verbündete angegriffen würden.

    Wenig später wurde bekannt, in welchem Zusammenhang Trump seine Worte gefunden hatte: Sie sollen laut US-Medien spontan gefallen sein, nachdem Trump einen Artikel der Washington Post über Fortschritte bei Nordkoreas Atomprogramm gelesen hatte. In der Hand hielt er während des Statements ein Papier zur Drogenkrise in den USA, über die er eigentlich sprechen wollte, schreibt die New York Times unter Berufung auf Mitarbeiter. Trump sei "in kriegerischer Stimmung" gewesen.

    Die USA, eine Hypermacht

    Während die vordere Front in Regierung und Verwaltung also eher darauf bedacht war, Trumps Worte in einen weniger dramatischen Kontext zu setzen, rückten Unterstützer aus dem Dunstkreis des weit rechts stehenden Chefstrategen Stephen Bannon aus, um ihre Unterstützung für Trumps Worte zu betonen. Die USA seien mittlerweile keine schlichte Supermacht mehr – "wir sind nun eine Hypermacht", sagte Berater Sebastian Gorka auf Fox News. Niemand auf der Welt "und besonders nicht Nordkorea" könne den militärischen Fähigkeiten der US-Regierung etwas entgegensetzen. Trumps Worte seien daher zu begrüßen, so Gorka, der bisher nicht mit Expertise zu Ostasien, sondern eher durch seine Anwesenheit bei einem Treffen der rechtsradikalen ungarischen Jobbik-Partei 2003 aufgefallen war. Die USA würden freilich nur "angemessen handeln", fügte er an.

    Nordkorea, selbst in der Außendarstellung nicht zurückhaltend, scheint eher der Interpretation des New York Magazine anzuhängen: Die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten seien "absoluter Unsinn", ließ die Regierung in der offiziellen Agentur KCNA verbreiten. Aus dem Handeln der US-Regierung gehe aber hervor, dass ihr nur mit "absoluter Gewalt" beizukommen sei, hieß es weiter. Nordkorea wolle daher bis Mitte August einen Angriffsplan auf die 3500 Kilometer entfernte Insel Guam ausarbeiten. Diese ist ein US-Territorium im Pazifik, das eine Militärbasis mit rund 6000 Soldaten beherbergt.

    Keine Alarmstimmung beim Nachbarn

    In Südkorea trat am Donnerstag wegen der gestiegenen Spannungen mit dem Nachbarn der nationale Sicherheitsrat zusammen. Das Nachbarland Nordkoreas wäre im Fall eines militärischen Konflikts zwischen den USA und Nordkorea wohl das erste Opfer eines Gegenschlages aus Pjöngjang. Wie es in Militärkreisen heißt, könnten Artilleriegeschoße an der Grenze der beiden Koreas binnen einer Stunde jeden einzelnen Quadratmeter der Zehn-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Seoul mindestens einmal treffen. Südkoreanische Medien, die an die Spannungen mit dem Nachbarn gewohnt sind, waren am Donnerstag dennoch nicht in Alarmstimmung. Man ging eher davon aus, dass sich die Lage wieder beruhigen werde.

    Sowohl die Regierung in Seoul als auch jene Japans, das ebenfalls als mögliches Ziel eines nordkoreanischen Angriffs gilt, verurteilten gleichwohl die jüngsten Raketentests Nordkoreas als völlig unverantwortlich. (Manuel Escher, 10.8.2017)

    WISSEN: USA könnten Kims Raketen vielleicht stoppen

    Die Zahl der Tests hat in letzter Zeit wieder zugenommen – aber so richtig sicher, dass das System auch funktioniert, ist niemand. In etwa 50 Prozent der Fälle hat das "Ground-Based Midcourse Defense"-System (GMD) der USA bei Tests im vergangenen Jahrzehnt sein Ziel auch getroffen – auch, wenn die Präzision bei den jüngsten Tests etwas zugenommen hat.

    Pläne gibt es schon lange: Vor allem die als "Star Wars" verballhornten Ideen von US-Präsident Ronald Reagan in den 1980er-Jahren erlangten Bekanntheit. Doch bis heute leidet die Idee eines Raketenschildes, das nahende Interkontinentalraketen im Weltraum zerstört, an den hohen Kosten und den Schwierigkeiten bei der Umsetzung der technischen Konzepte.

    Die grundlegende Idee klingt einfach: Radarstationen und Sensoren auf dem Boden, auf Schiffen und im Weltraum sollen Interkontinentalraketen erkennen und ihre Koordinaten an Bodenstationen weitergeben. Dort sollen dann Abfangraketen gestartet werden, um die Gefahr noch im Weltraum zu bannen. Die Praxis zeigt, dass sowohl Erkennung und auch Treffen einer 24.000 km/h schnellen Rakete nicht einfach ist.

    Zudem gibt es politischen Gegenwind: Gegen Stationierungen von Radarstationen gab es Proteste sowohl in einigen osteuropäischen Staaten als auch in Japan. (red)

    • Das Regime in Pjöngjang ließ Massen aufmarschieren, um seine Drohungen gegen die USA zu bekräftigen.
      foto: afp kcna via nks str

      Das Regime in Pjöngjang ließ Massen aufmarschieren, um seine Drohungen gegen die USA zu bekräftigen.

    • Guam beherbergt neben einer US-Basis auch viele Touristen vom Festland. Der Betrieb läuft – trotz Drohungen aus Nordkorea.
      foto: reuters

      Guam beherbergt neben einer US-Basis auch viele Touristen vom Festland. Der Betrieb läuft – trotz Drohungen aus Nordkorea.

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