Österreich dank Kofler wieder auf WM-Landkarte

10. August 2017, 15:01
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Einmaliges Moto3-WM-Gastspiel in Spielberg dank Wild Card, aber österreichische Piloten sind im Motorsport längst Exoten

Spielberg – Neben dem erstmaligen KTM-Auftritt in allen drei Klassen kehrt Österreich anlässlich der Motorrad-WM am Sonntag in Spielberg auch hinsichtlich Piloten auf die WM-Landkarte zurück. Der Oberösterreicher Maximilian Kofler nimmt auf einer KTM am Rennen der Moto3-Klasse teil. Der 16-Jährige ist der erste Österreicher seit vier Jahren bei einem Lauf zur Straßen-Weltmeisterschaft.

Martin Bauer war 2013 der erste Österreicher in der MotoGP und zugleich der bisher letzte rot-weiß-rote Pilot in der FIM-Motorrad-Weltmeisterschaft. Nachwuchsmann Kofler kommt aus dem Supermoto-Sport und startet sonst in der italienischen Moto3.

Dank einer Wild Card ist das Talent vom MSV Schwanenstadt erstmals und vorerst einmalig bei einem WM-Lauf am Start. Der HAK-Schüler aus Attnang-Puchheim ist auf dem Red Bull Ring auch der erste Österreicher bei einem WM-Heimrennen seit 20 Jahren.

Möglich gemacht hat das nicht nur die Wild Card samt Unterstützung von KTM. Die ganze Familie Kofler lebt den Motorrad-Sport. Vater Klaus war früher selbst Rennfahrer und betreibt das Team. Bruder Andreas wird kommenden Samstag erst 13 Jahre alt und startet – wie Landsmann Marvin Maislinger – dennoch ebenfalls in Spielberg, nämlich im ADAC Junior Cup.

Dass Österreich trotz langer und reicher Motorsport-Tradition aktuell weder in der Formel-1- noch der Motorrad-WM Fahrer am Start hat, ist bekannt. "Bei uns gilt Motorsport nicht als Sport, das ist das Grundübel", beklagt Vater Klaus Kofler das Fehlen eines entsprechenden Verbandes in Österreich und damit auch das Ausbleiben von Fördermitteln.

"Wir stehen alleine da, müssen alles selbst bezahlen und uns um alles selbst kümmern", beschreibt Kofler die Misere. "Auch Trainingsmöglichkeiten gibt es wegen des Lärms nur punktuell. Es ist mühsam, man kämpft gegen Windmühlen."

Und medial sei man praktisch ohnehin kaum präsent. "Dabei haben wir schon zehn Jahre hinter uns. Maximilian ist Staatsmeister, deutscher Meister. Aber wenn alles nur mit Fußball angefüllt wird, will jeder Sponsor natürlich dort auf das Leiberl", weiß Kofler. "Andere Eltern geben ihre Kinder beim Sportverein ab. Unsere kommen ohne Eltern und Förderer nicht einmal vor die Haustür."

Hoffnung mache, dass Sportminister Hans-Peter Doskozil das Dilemma offenbar kenne und auch Abhilfe versprochen habe, betonte Kofler. "Aber im Prinzip ist das was wir tun so, wie wenn ein Spanier oder Nigerianer zum Skifahren anfängt und dann gleich auf die Streif muss."

Damit ist auch klar, dass der junge WM-Rookie keine allzu hohen Erwartungen hat, wenn er fünf Tage vor seinem 17. Geburtstag in Spielberg auf seiner Einzylinder-250er erstmals WM-Luft schnuppert. "Er wird sich hinten dran hängen und schauen, ohne allzu großen Rückstand ins Ziel zu kommen. Es geht vor allem darum, Erfahrung zu sammeln. Alles andere wäre unrealistisch", stapelte Papa Kofler am Donnerstag im Fahrerlager bewusst tief.

Mit 16 den Sprung in die WM zu wagen, sei natürlich ein gewisses Risiko. "Hier sind die besten 30 am Start, innerhalb von zwei Sekunden liegen 12 bis 13 Fahrer", erklärte Kofler seine anfängliche Skepsis. "Aber Max hat sich gut entwickelt. Und eine Wild Card bekommt man auch nur nach entsprechenden Leistungen."

Nach Spielberg geht es wieder zurück in den italienischen Cup. Die Kosten für ein Jahr Motorrad-Sport sind selbst auf dieser Ebene sechsstellig, dennoch will man bei den Koflers weiter voran. "Wenn es sinnvoll weitergehen soll, müssen wir nächstes Jahr nach Spanien." (APA, 10.8.2017)


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