Schoko oder Apfel: Was Kinder motiviert, gesunde Snacks zu kaufen

10. August 2017, 15:00
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Eine Studie hat analysiert, wie Marken und Preise die Kaufentscheidungen von Kindern beeinflussen

Medford, Massachusetts – Eine neue Studie, im Juni im Fachmagazin "Appetite" veröffentlicht, hat die Faktoren untersucht, die Kinder in ihren Kaufentscheidungen bei Snacks beeinflussen. Der Fokus lag darauf herauszufinden, was Kinder zum Kauf von gesünderen Lebensmitteln anregen könnte.

Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Marke eines Produkts entgegen den Erwartungen des Teams keinen wesentlichen Einfluss auf die Kinder hatte. "Wir stellten fest, dass die Markenbekanntheit kein wesentlicher Faktor für den Kauf eines Snacks war. Vielmehr kam es darauf an, ob das Kind die Marke mag oder nicht", erklärt Monika Hartman, Hauptautorin der Studie. Ausschlaggebender war für die Kinder die Art des Produkts. Aber auch die vorhergehende Erfahrung mit Geld war ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung der Kinder.

Umgang mit Geld von Bedeutung

Den Studienergebnissen zufolge gab es eine deutliche Zweiteilung in Bezug darauf, wie der Preis die Kaufentscheidung der Kinder beeinflusste. Jene Kinder, die es aufgrund von Taschengeld von zu Hause gewohnt waren, mit Geld umzugehen, achteten auf die unterschiedlichen Preise. Kinder, die wenig oder keine Erfahrung mit Geld hatten, zeigten jedoch kein nennenswertes Verhalten diesbezüglich. Dieses Ergebnis reiht sich in vorangegangene Forschung ein, die darauf hinweist, dass eigene Erfahrungen mit Geld wichtig beim Erlernen von Preisen sind.

Sean Cash, Mitautor der Studie, meint aber, dass die Forschung noch wenig darüber weiß, wie Kinder die Geldbeträge, über die sie verfügen können, ausgeben. "Es ist ein von der Forschung bislang vernachlässigtes Feld", so Cash. "Sie entscheiden selbst, wie sie ihr Geld für Snacks ausgeben, aber wir wissen sehr wenig darüber, wie sie diese Entscheidungen treffen." Das gelte insbesondere dafür, wie Kinder zwischen Preisen und anderen Nahrungsmittelattributen abwägen.

Dennoch vermuten Hartman und ihr Team aufgrund ihrer Ergebnisse, dass höhere Preise für ungesunde Snacks zumindest die Kinder, die schon Erfahrungen mit Geld haben, dazu motivieren könnten, zur gesünderen Variante zu greifen.

Joghurt, Apfelspalten und Kekse

Für die Studie wurden 116 Kinder zwischen acht und elf Jahren an Ganztagsschulen im Raum Boston befragt. Die Kinder mussten dafür zunächst zwei kognitive Tests ausfüllen und nahmen danach an einem Kaufexperiment teil. Dafür bekamen sie nach den schriftlichen Tests zwei Dollar als Belohnung, die sie anschließend nach eigenem Belieben ausgeben durften.

Dazu präsentierte das Forschungsteam den Kindern verschiedene Snacks, zur Auswahl standen Joghurt, Apfelspalten und Kekse. Den Kindern wurden zehnmal jeweils zwei Produkte vorgeschlagen. Dabei gab es Unterschiede in der Art des Produkts, beim Preis und bei der Marke. Sie hatten nun die Möglichkeit, sich für eines der beiden oder gar kein Produkt zu entscheiden.

Um den Einfluss einer bekannten Marke auf die Entscheidung der Kinder zu überprüfen, waren manche der gezeigten Produkte von McDonald's. Doch hierbei zeigte sich zur Überraschung des Teams, dass die Kinder nur dann zum Markenprodukt griffen, wenn sie McDonald's bereits im Vorfeld mochten.

Schokoladenkekse am beliebtesten

Das Experiment zeigte, dass der wichtigste Faktor für die Entscheidung der Kinder die Art des Produkts war. Das Schokoladenkeks ging als eindeutiger Favorit hervor, die gesünderen Apfelspalten landeten auf dem zweiten Platz.

Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen im Kampf gegen ungesunde Ernährung bei Kindern eine Chance in der weiteren Erforschung des Einflusses von Preis, Marketing und Verpackung auf die Entscheidungen der Kinder. Denn während chronische ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes Typ 2, koronare Herzerkrankungen und Fettleibigkeit weltweit bereits im Kindesalter ansteigen, geben die Kleinen gleichzeitig auch eine beachtliche Menge ihres Geldes für Snacks aus. Da die Literatur zur Reaktion von Kindern auf Preise und Marken aber noch spärlich sei, sehen die Autorinnen und Autoren Notwendigkeit für weitere Forschung auf dem Gebiet. (jvs, 10.8.2017)

  • Artikelbild
    foto: apa/herbert pfarrhofer
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