Paranoia pur: "Battlegrounds" aus der Ego-Perspektive im Test

    15. August 2017, 11:00
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    Der neue Modus ist beklemmend und ungewohnt, fühlt sich aber fairer an

    Nach mittlerweile sechs Millionen verkauften Einheiten zählt "Playerunknown’s Battlegrounds" jetzt schon zu den großen Hits von 2017. Sechs Millionen ist auch in etwa die Anzahl an Beiträgen, die wir zum Online-Shooter bisher veröffentlicht haben. Der Entwickler bringt immerhin ein Update nach dem anderen für das Early-Access-Spiel und in den umfangreichen Monats-Patches sind zudem ganz neue Features enthalten. Die letzte große Aktualisierung Anfang August brachte neben einer neuen Waffe und überarbeitetem HUD eigenständige First-Person-Server.

    Gleiche Bedingungen für alle

    Der First-Person-Only-Modus war Anfangs nur für Solo- und Duo-Matches auf Nordamerika- und EU-Servern verfügbar. Mittlerweile ist die Funktion allerdings auch für Squad-Partien sowie Asia-Servern freigeschaltet. Mit dem neuen Modus bietet das "PUBG" fairere Bedingungen für alle Spieler, da nicht mehr mit der Third-Person-Kamera die Gegend beobachtet werden kann, während man im Gras oder Häuschen sitzt. Wer sich hinter einem Baum versteckt, muss zum Spähen ebenfalls den Kopf herausstrecken und riskieren, getroffen zu werden. Obwohl auf den normalen Servern jeder über denselben Kameramodus verfügt, sind so genannte Camper, also Spieler, die sich verstecken und auf Feinde warten, enorm im Vorteil, was sich von nun an ändern könnte.

    Für den neuen Modus hat sich Entwickler Bluehole Studio eine verbesserte HUD-Anzeige einfallen lassen. In dieser werden alle Waffen, Granaten und Ausrüstungsteile angezeigt, die im Inventar angelegt wurden. Außerdem wurde ein Field-of-View-Slider implementiert, mit dem man das Sichtfeld anpassen kann.

    Startschwierigkeiten

    Am Tag der Aktualisierung legte der First-Person-Modus einen holprigen Start hin. Serverprobleme sorgten für Bugs und Lags, während sich das Spiel immer wieder aufhängte. Ein zeitnaher Hot-Fix konnte die Fehler auch nicht lösen, was das neue Feature für einige unspielbar machte. Am nächsten Tag war der First-Person-Modus halbwegs funktionstüchtig, wenn auch Verzögerungen (Lags) noch nicht ganz ausgemerzt waren. Bei solchen Startschwierigkeiten ist es also kein Wunder, dass sich der Entwickler noch ein wenig Zeit nimmt für die vollständige Integrierung. Im Menü ist der Modus als "BETA" gekennzeichnet, was in Anbetracht der Early-Access-Version des Spiels sowieso klar sein sollte.

    Erfahrungen

    Nach mehreren Runden auf den FP-Servern wird eines klar: Das Spiel ist aus der Ego-Perspektive beklemmender als bisher. Aufgrund der eingeschränkten Sicht kommt eine gewisse Paranoia auf, sobald man ein Geräusch zu vernehmen glaubt. Dass die Gegner ebenfalls so denken könnten, sollte man im Hinterkopf behalten. Nervenaufreibende Zweikämpfe sind dabei keine Seltenheit. So ist es enorm schwierig, den Feind im Auge zu behalten, wenn man hinter einem Felsen, Baum oder Gebäude Schutz sucht. Den Rücken zu decken bedeutet hier die Front verwundbar zu machen.

    foto: baragodzilla | reddit
    Ein Redditor vergleicht die Positionen, aus denen man jeweils im Third- und First-Person gesehen werden kann

    In den ersten Runden ist die Fahrzeuglenkung ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Hindernisse oder gar kleine Unebenheiten im Boden sind aus der Ego-Perspektive weitaus schwieriger auszumachen und zu umfahren. Dies dürfte allerdings mit ein wenig Übung einfacher werden. Rein gefühlstechnisch weisen die Vehikel eine etwas nachsichtigere Kollisionsphysik auf. Was auf normalen Servern bei einem Motorrad noch für ein Überschlagen sorgte, wird im First-Person-Modus etwas sanfter geahndet.

    Im Kampf ist das Schießen aus der Hüfte übersichtlicher, da das Ziel näher am Bildschirm dargestellt wird und die eigene Spielfigur nicht im Sichtfeld steht. Der Blick durch Visier bzw. Kimme und Korn ist ident zu den gewöhnlichen Servern.

    wirspielen
    Wir spielen "Playerunknown's Battlegrounds"

    Weitere Lösungansätze des "Camperproblems"

    Camper sind in "PUBG" eine Plage für diejenigen, die den direkten Kampf bevorzugen. Der First-Person-Modus ist in dem Fall also ein willkommener Schritt in Richtung Game-Balancing. Ein weiterer Ansatz wäre beispielsweise, die Macht der Third-Person-Kamera ein wenig einzuschränken. Wenn im oberen Stockwerk liegende Camper nicht höher blicken könnten als zum unteren Rand des Fenstersimses, dann würde sich die ganze Situation ändern. Eine andere Option ist die Einführung von mehreren Treppen pro Gebäude. Zurzeit besitzt fast jedes Haus über lediglich eine Möglichkeit nach oben zu gelangen. So ist es den Campern ein Leichtes, die Stufen im Visier zu behalten und bei Kontakt loszuschießen. Wenn aber nicht gewiss ist, von welcher Richtung der Feind naht, könnte das für weitaus ausgeglichenere und spannendere Kämpfe sorgen.

    Wer sich jedoch nach einem noch größeren Adrenalinschub in der Überlebensschlacht gegen 99 andere Spieler sehnt, kommt um die Egoperspektive nicht herum. Die Startschwierigkeiten dürften angesichts der zahlreichen Updates noch gemeistert werden. Bis zum offiziellen Markstart Anfang 2018 hat der Entwickler also noch genug Zeit, eine Balance in jedem Spielmodus zu finden. (ke, 15.8.2017)

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      foto: playerunknown's battlegrounds | georg pichler
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