Weizen, Gerste, Roggen: Ernte ist eingebrochen

9. August 2017, 17:25
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Vor allem im Osten Österreichs ist die Produktion schlecht ausgefallen. Zuwächse gab es bei Bio und Soja

Wien – Hitze und Trockenheit haben der heurigen Getreideernte zugesetzt: Insgesamt fiel sie um 22 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Der starke Einbruch liege einerseits an der lange anhaltenden Hitze, aber auch an der Rekordernte im vergangenen Jahr, sagt Stefan Hautzinger, Verwaltungsratsvorstand der Agrarmarkt Austria (AMA), bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Gesamtproduktion soll heuer 4,7 Millionen Tonnen betragen.

Dennoch müssten sich Landwirte auf den Klimawandel vorbereiten, sagt Hautzinger. Der März war der trockenste in der über 250-jährigen Messgeschichte Österreichs, der Juni der zweitheißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders die Kornausbildung hat unter der Dürre gelitten: Der Mais sei heuer wesentlich kleiner ausgefallen, Weizen und Roggen tragen teilweise nur halb so viele Ähren wie in einem Durchschnittsjahr, sagt Hautzinger.

Die Dürre habe die Landwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt, sagt Hautzinger: "Es war ein Jahr zwischen Hoffen und Bangen." Allen voran in Niederösterreich und im Burgenland. Im Westen sei die Ernte hingegen einigermaßen gut ausgefallen. Um sich künftig besser auf den Klimawandel einstellen zu können, sollten Landwirte in den Boden investieren und klimafittere Sorten anbauen.

foto: apa/ama

Die AMA kann der Hitze aber auch Positives abgewinnen: Die Getreideernte, die mittlerweile fast abgeschlossen ist, sei früher und schneller vonstattengegangen. "Es wird eine kleine, aber feine Ernte werden", sagt Hautzinger. Die Getreidequalität sei überdurchschnittlich gut und die Rate an Premiumweizen besonders hoch.

Starke Einbußen gegenüber dem vergangenen Jahr gab es beim Roggen, insgesamt wurden 136.000 Tonnen weniger geerntet, das entspricht einem Minus von 28 Prozent. Etwa gleich hoch waren die Rückgänge beim Weich- und beim Hartweizen. Die heimische Weizenfläche ist um rund 23.000 Hektar geschrumpft.

Eine andere Entwicklung macht sich im Biobereich bemerkbar: Die Anbaufläche von Bioweizen wuchs gegenüber dem Vorjahr um mehr als 4300 Hektar. In Österreich sind rund 14 Prozent der Gesamtanbaufläche biologisch bewirtschaftet, im Burgenland liegt der Anteil bereits bei 30 Prozent.

Auch die Sojaanbaufläche ist gewachsen – mittlerweile werden in Österreich mehr als 64.400 Hektar Soja angepflanzt. Laut AMA liegt das sowohl an dem steigenden Einsatz von Soja im Viehfutter, aber auch am Sojatrend in vegetarischen Lebensmitteln.

Weltweit werden im heurigen Erntejahr zwei Milliarden Tonnen Getreide produziert, 295 Millionen Tonnen davon innerhalb der EU. Laut AMA sind die Getreidespeicher weltweit gut gefüllt. Die Weizen- und Maisproduktion hat sich aufgrund der Dürre in den USA und Australien jedoch mehr nach Russland und Brasilien verlagert. (lauf, 9.8.2017)

  • Körndlbauern konnten ihr Getreide heuer früher und in einer höheren Qualität ernten. Bei der Menge gab es hingegen starke Einbußen.
    foto: apa/thomas warnack

    Körndlbauern konnten ihr Getreide heuer früher und in einer höheren Qualität ernten. Bei der Menge gab es hingegen starke Einbußen.

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