Studie: Wetter nur indirekt an Gelenkschmerzen schuld

    10. August 2017, 08:03
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    Einer Studie zufolge bewegen sich Menschen bei wärmeren Temperaturen mehr – deshalb gibt es auch mehr Anfragen zu Gelenksproblemen. Die Untersuchung ist allerdings nicht unumstritten

    Seattle/Heidelberg – Beeinflusst das Wetter Gelenkschmerzen? Ja, aber anders als häufig vermutet, sagen US-Forscher: Zwar steige mit den Temperaturen auch die Zahl der Suchanfragen im Internet nach Knie- oder Hüftschmerzen, doch der Grund dafür ist, dass sich die Menschen bei wärmerem Wetter schlicht mehr bewegen und öfter überanstrengen, wie die Wissenschafter betonen.

    Das Team um den Orthopäden Scott Telfer von der University of Washington (Seattle) hatte im Journal "PLOS ONE" umfangreiche Wetterdaten von 2011 bis 2015 aus 45 US-Städten in Bezug dazu gesetzt, wie viele Menschen Wörter wie "Gelenkschmerzen" googelten. Es zeigte sich: Zunächst stiegen die Suchanfragen mit den Temperaturen stetig an, irgendwann über 20 Grad nahmen sie wieder ab – ebenso bei Niederschlag. Infos zu Kniebeschwerden wurden demnach bei 23 Grad am häufigsten nachgefragt, zu Hüftschmerzen bei 28 Grad. Zum Vergleich: Die Internet-Suche nach "Bauchschmerzen" war bei milden Temperaturen besonders gering, die nach "Arthritis" zeigte keinen klaren Zusammenhang mit dem Wetter.

    "Wir haben keinen direkten Mechanismus gefunden, der Umgebungstemperatur und Schmerz verbindet. Wir glauben eher, dass Leute an schönen Tagen aktiver sind und mehr dazu neigen, sich zu überanstrengen und zu verletzen, und dann online nach Informationen dazu suchen", sagt Telfer. Diese Hypothese wollen die Forscher nun weiter untersuchen.

    Kritik an Studie

    In Deutschland stieß die Studie auf Kritik. "Sie zeigt Korrelationen, aber sagt nichts über kausale Einwirkungen", meint Marcus Schiltenwolf von der Uniklinik Heidelberg. Es fehlten darin sämtliche Bezüge zum Alter derjenigen, die Informationen im Internet gesucht haben, und vor allem zu deren Fitness-Grad. "Das ist eine Verzerrung dessen, was Bewegung leisten kann."

    Bewegung sei wichtig und sinnvoll, wenn man sie öfter und auch regelmäßig betreibe, betont der Orthopäde. Vor dem Hintergrund, dass nur ein Zehntel der Bevölkerung sich ausreichend bewege, komme es bei Bewegungsmuffeln auch schneller zu Muskelkater und Gelenkschmerzen. "Das alles sollte eine Studie berücksichtigen."

    Eine Wetterlage, auf die Menschen per se besonders empfindlich mit Gelenkschmerzen reagieren, gibt es nach Einschätzung von Schiltenwolf nicht. "Der eine verträgt keine Feuchtigkeit, der andere keine Hitze. Wetterfühligkeit ist sehr individuell. Für viele ist sie überhaupt kein Problem." Grundsätzlich habe der Mensch eine erstaunliche epigenetische Fähigkeit, sich an das Umgebungsklima anzupassen. (APA, dpa, 10.8.2017)

    • Die Temperatur bestimmt den Bewegungsdrang, sagen Forscher der University of Washington. In der Studie bliebe allerdings andere mögliche Einflussfaktoren wie Alter oder Fitness unberücksichtigt, kritisiert der deutsche Orthopäde Marcus Schiltenwolf.
      foto: apa/dpa/christian charisius

      Die Temperatur bestimmt den Bewegungsdrang, sagen Forscher der University of Washington. In der Studie bliebe allerdings andere mögliche Einflussfaktoren wie Alter oder Fitness unberücksichtigt, kritisiert der deutsche Orthopäde Marcus Schiltenwolf.

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