Aufräumarbeiten nach neuerlichen Murenabgängen in Tirol

9. August 2017, 14:56
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Erdrutsche unter anderem auf Sellrain- und Brennerstraße – Auch Brennerbahnstrecke unterbrochen

Innsbruck – Neuerlich haben Unwetter in der Nacht auf Mittwoch für Murenabgänge und Schäden in Tirol gesorgt. Betroffen waren das Oberland und der Bezirk Innsbruck-Land. Unter anderem musste die Brennerstraße (B182) und die Sellrainstraße (L13) nach Erdrutschen gesperrt werden. Unterbrochen war auch die Brennerbahnstrecke zwischen Innsbruck und Matrei. Im Gschnitztal erfasste eine Mure mehrere Fahrzeuge.

Meldungen über Verletzte gab es vorerst keine. Die Einsatzkräfte waren am Mittwoch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Unter anderem mussten etwa in Gschnitz mehrere Keller ausgepumpt sowie Auffangbecken der Wildbach- und Lawinenverbauung von Geröll und Schlamm befreit werden. In Sellrain wurde die Sellraintalstraße von Schotter und Erdreich gesäubert.

In St. Leonhard im Pitztal (Bezirk Imst) hatte sich gegen 6.00 Uhr auf der Gemeindestraße zwischen den Weilern Grüble und Egg ein massiver Steinschlag ereignet. Nach den heftigen Regenfällen in der Nacht löste sich ein rund acht Kubikmeter großer Felsbrocken oberhalb der Straße im Waldbereich und donnerte zu Tal. Der Fels durchschlug dabei das Steinschlagnetz und landete auf der darunter befindlichen Gemeindestraße, die dadurch massiv beschädigt wurde. Unterhalb der Gemeindestraße befinden sich laut Polizei mehrere Häuser, die glücklicherweise verschont blieben.

In Nassereith (ebenfalls Bezirk Imst) deckten Sturmböen während eines Gewitters das Dach eines Hauses ab, wodurch mehrere Pkw demoliert wurden. Zudem wurde eine Hochspannungsleitung beschädigt, was zu Stromausfällen führte. In Mieders und in Schönberg war das Leitungswasser laut Medienberichten wegen der Unwetter vom Wochenende derzeit nicht genießbar. Schwemmmaterial war in die Wasserversorgung geraten.

Weiterer Assistenzeinsatz des Heeres

Nach den heftigen Unwettern mit zahlreichen Vermurungen in den Salzburger Gebirgsgauen ist das Bundesheer zu einem weiteren Assistenzeinsatz gerufen worden. Rund zehn Pioniere helfen am Donnerstag in Fusch an der Glocknerstraße (Pinzgau) mit Unterstützung eines Black-Hawk-Hubschraubers bei der Beseitigung einer massiven Verklausung, die mehrere Häuser gefährdet. In Großarl sind bereits seit Wochenbeginn rund 40 Soldaten der Krobatin-Kaserne mit Aufräumarbeiten nach Murenabgängen beschäftigt. Im Schiedgraben muss ein Haus und ein Nebengebäude von den Schlammmassen freigeschaufelt werden. Die Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau hatte um den Assistenzeinsatz ersucht.

Der zweite Assistenzeinsatz nach den Unwettern vom Wochenende wurde nun von der Bezirkshauptmannschaft Zell am See angefordert. Rund zehn Soldaten des Pionierbataillons 2 aus der Schwarzenberg-Kaserne werden nach Fusch abkommandiert. Durch die starken Regenfälle ist es in einem Bachbett zu Verklausungen gekommen. Sachverständige der Wildbach- und Lawinenverbauung sehen eine konkrete Gefahr für die darunterliegenden Häuser. Deshalb sollen die herumliegenden Wurzelstöcke und Bäume so schnell wie möglich entfernt und der natürliche Wasserablauf wieder hergestellt werden.

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, sollte noch am Mittwoch ein Erkundungsteam mit dem Hubschrauber nach Fusch fliegen, wie der Pressereferent des Militärkommandos Salzburg, Wolfgang Riedlsperger, informierte. Am Donnerstag soll das Schadholz mit Hilfe der Soldaten abtransportiert werden – was laut Riedlsperger eine heikle und gefährliche Aufgabe ist, da die Bäume wild durcheinanderliegen und unter Spannung stehen.

"Präzise Flugmanöver und gute Kommunikation von Pilot, Bordtechniker und Bodenpersonal sind beim Herausheben der Bäume gefordert", schilderte der Pressereferent. Die bis zu einer Tonne schweren Baumstämme werden anschließend zu einem nahen Ablageplatz geflogen. Riedlsperger ging davon aus, dass der Einsatz in Fusch nach dem morgigen Tag beendet ist. In Großarl wird der Assistenzeinsatz zumindest bis Ende dieser Woche dauern.

Obduktionsergebnis liegt vor

Indes liegt das Obduktionsergebnis nach dem Tod eines 13-jährigen Niederösterreichers während eines Unwetters am vergangenen Wochenende im obersteirischen St. Georgen am Kreischberg vor: Der Bub hatte Einblutungen im Herzmuskel. Unklar sei aber noch, ob diese auf eine Herzmuskelentzündung oder auf die langen Reanimationsmaßnahmen zurückzuführen sind, sagte Staatsanwältin Carolin Weissenbacher am Mittwoch.

Die Gerichtsmedizin stellte bei dem jungen Feuerwehrmann ansonsten keine Verletzungen fest: Die Halswirbelsäule war intakt, es gab keine Anzeichen für einen Blitzunfall oder Stromschlag und auch sonst wurden keine Anzeichen für äußere Gewalteinwirkung gefunden. Vom Herzmuskel wurden nun Proben entnommen, um festzustellen, ob der 13-Jährige eine Herzmuskelentzündung hatte. Diese Ergebnisse dürften erst in etwa vier Wochen vorliegen, sagte Weissenbacher auf APA-Anfrage. Die Leiche des Buben wurde mittlerweile für die Bestattung freigegeben.

Das Kind war vergangene Woche mit 29 anderen Buben und Mädchen bei einem Jugendlager von mehreren Feuerwehren aus dem niederösterreichischen Bezirk Gänserndorf. Freitagabend zog ein schweres Gewitter über den Campingplatz. Eines der Zelte musste evakuiert werden. Kurze Zeit später wurde der 13-Jährige reglos von seinen Kameraden am Boden liegend gefunden. Trotz Reanimation, die mehr als eine Stunde lang durchgehalten wurde, starb der Niederösterreicher im Krankenhaus. (APA, 9.8.2017)

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