Wiener Privatkindergarten Multika schließt

    8. August 2017, 17:19
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    Sanierungsplan von insolventem Verein zurückgezogen – Rund 150 Kinder betroffen

    Wien – Ismail Ilter schätzt das pädagogische Konzept des Kindergartens Multika. Auch seine zwei Buben fühlten sich dort wohl. Die Familie sei "vielsprachig", das Sprachangebot im Kindergarten deshalb sehr wichtig. Neben Deutsch lernen die Kinder am Multika-Standort in der Kelsenstraße im dritten Bezirk auch Russisch. An weiteren, ursprünglich sieben, aktuell vier, Standorten in Wien wird Englisch, Serbisch oder Ungarisch unterrichtet.

    Am 3. August, so erzählt Ilter dem STANDARD, "kam der Schock": In einem Brief des Insolvenzverwalters wurde die Familie informiert, dass die Sanierung des privaten Trägervereins Multika nicht zustande gekommen ist und die vier Kindergärten daher mit Monatsende geschlossen werden. Rund 150 Kinder sowie 50 Mitarbeiter sind betroffen.

    Kritik an MA 10

    "Wir wussten, dass ein Insolvenzverfahren läuft, uns wurde aber immer gesagt, dass alles gut ausgehen werde", erzählt Ilter weiter. Die Familie – beide Eltern sind berufstätig – sei auf den Standort in Wien-Landstraße angewiesen. Eine Alternative habe man bisher nicht finden können. Und seine Söhne in verschiedene Kindergärten zu geben wäre eine "Mammutaufgabe – mit den Jobs jeden Tag zwei Wege zu haben". Kritik übt Ilter auch am Servicetelefon der zuständigen Magistratsabteilung 10 (01/277 55 55). Dort hieße es nur: "Suchen Sie einen neuen Kindergarten!"

    Eva Reznicek, Abteilungsleiterin bei der MA 10, beschwichtigt: Man wisse, es sei "eine furchtbare Situation für die Eltern", doch "genau dasselbe können wir leider nicht anbieten". Vorgeschlagen würden Kindergärten, wo Plätze frei sind, sagt sie. Doch es könne vorkommen, dass "die EDV nicht ganz aktuell ist".

    Übernahme "schwierig"

    Laut Insolvenzverwalter Michael Ludwig Lang hätten die Gläubiger dem von Multika vorgelegten Sanierungsplan nicht mit der gesetzlich erforderlichen Mehrheit zugestimmt. Der Verein zog den Plan deshalb zurück. Eine rasche Übernahme durch einen anderen Verein – wie es sich die betroffenen Eltern wünschen würden – sei zwar "theoretisch denkbar, aber schwierig", dauere doch das Bewilligungsverfahren für Förderungen, die ein neuer Betreiber beantragen müsste, länger als bis Monatsende.

    Für Multika ist dies das zweite Insolvenzverfahren. Das erste wurde im Vorjahr erfolgreich abgeschlossen. Anfang 2017 wurde erneut Konkurs angemeldet. Zuvor waren Vorwürfe der MA 10 bekannt geworden, der Verein hätte Gehälter nicht ausgezahlt und zu wenig Personal eingesetzt. Die Stadt stoppte die Förderungen von etwa 1,3 Millionen Euro pro Jahr. Und fordert nun rund 100.000 Euro für den beanstandeten Zeitraum zurück. Drei Standorte wurden inzwischen geschlossen, um Kosten zu sparen und die Personalsituation zu verbessern. (Christa Minkin, 8.8.2017)

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