Experten für Versicherungspflicht gegen Unwetter

8. August 2017, 17:26
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Der Katastrophenfonds verzerre den Markt, sagen Experten

Wien – Regenmassen, Hangrutsche und Sturmböen haben in den vergangenen Tagen in Österreichs Schäden in mehrstelliger Millionenhöhe verursacht. Für die Betroffenen stehen 400 Millionen Euro aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung. Das österreichische System der Katastrophenhilfe steht allerdings seit Jahren in der Kritik von Experten.

Föderale Kontrolle

Derzeit werden Schäden durch Umweltkatastrophen zum Teil, in seltenen Fällen auch zur Gänze von den Ländern gedeckt. Der Bund ersetzt ihnen über den Katastrophenfonds 60 Prozent der Zahlungen. Jeweils 1,1 Prozent des Aufkommens aus der Einkommens-, Lohn-, Körperschafts- und Kapitalertragssteuer speisen den Fonds.

Das System führt dazu, dass Geschädigte unterschiedliche Ersatzleistungen erhalten. Nach welchen Kriterien und somit zu welchem Anteil ein Schaden übernommen wird, liegt im Ermessen der Landespolitik. An welchem Ufer eines überlaufenden Grenzflusses zwischen Salzburg und der Steiermark man lebt, kann also durchaus wichtig sein.

Verzerrter Markt

Derzeit versagt allerdings auch der Markt für private Versicherungen. Über zwei Drittel der Schäden zwischen 1990 und 2015 gingen auf Hochwasser zurück, sagt Franz Prettenthaler vom Forschungsinstitut Joanneum Research. Eine Vollversicherung dagegen gibt es nicht, weil der Kreis der Versicherer zu klein und zu riskant ist.

Die verpflichtenden Ausweitungen der Deckung von Haushaltsversicherungen auf Naturkatastrophen könnte das Problem lösen, erklärt Prettenthaler. Somit wäre der Kreis der Versicherten groß genug, damit die zusätzlichen Prämien leistbar sind.

Eine flächendeckende Versicherung gegen Naturkatastrophen würde auch mehr Rechtssicherheit bieten. Vor allem Unternehmen, die Kredite für den Wiederaufbau brauchen, müssen den Banken konkrete Ansprüche auf Schadenszahlungen vorweisen.

Mehr Prävention

Eine Versicherungspflicht setzt außerdem positive Anreize im Risikoverhalten, erklärt Franz Sinabell vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Um Prämien zu senken, würde mehr in Prävention investiert. Förderungen für Bedürftige könnten das Solidaritätsprinzip sogar treffsicherer machen.

Der Fonds bleibt jedoch für die Präventionsfinanzierung unerlässlich, sind sich die Experten einig. (Leopold Stefan, 8.8.2017)

  • Überschwemmungen durch Muren in Oberwölz (Steiermark) verursachten schwere Schäden am Wochenende.
    foto: apa/bfv/mu/horn/tockner

    Überschwemmungen durch Muren in Oberwölz (Steiermark) verursachten schwere Schäden am Wochenende.

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