"Holt euch, was euch zusteht – von den anderen"

Kolumne8. August 2017, 16:43
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Österreich ist sehr gut beim Umverteilen

SPÖ-Chef Christian Kern ruft seinen potenziellen Wählern zu: "Holt euch, was euch zusteht!" Er meint damit, dass viele nicht ihren gerechten Anteil am Reichtum Österreichs erhalten.

Um ein Gefühl zu bekommen, ob das so stimmt, machen Sie sich bitte die Mühe und lesen Sie das durch: "Nach dem Umverteilungsprozess war der Einkommensanteil des unteren Drittels der Haushalte um fast 7 Prozentpunkte höher und jener des mittleren Terzils um 2¼ Prozentpunkte höher als vor der Umverteilung; der Anteil des oberen Drittels war um gut 9 Prozentpunkte niedriger. Durch den staatlichen Umverteilungsprozess wurde die Ungleichheit in der Verteilung der Ressourcen deutlich reduziert."

Der Text stammt aus dem linken blog.arbeit-wirtschaft.at, die Autorinnen beziehen sich dabei auf die Studie "Umverteilung durch den Staat" von 2016 durch das Wirtschaftsforschungsinstitut (im Auftrag des Sozialministeriums), an der die beiden Autorinnen mitgearbeitet haben.

Übersetzung aus dem Expertenchinesisch: Österreich ist ein Umverteilungsstaat, wo durch Transferzahlungen die niedrigen Markteinkommen ("Primäreinkommen") des unteren, aber auch – in schwächerem Ausmaß – des mittleren Einkommensdrittels beträchtlich angehoben werden. Bezahlt hat das das obere Einkommensdrittel, das viel weniger Transferzahlungen erhielt.

Kenner der Situation wissen das schon lange. Österreich ist sehr gut beim Umverteilen. Die international ziemlich gleichmäßige Einkommensverteilung kommt nur durch diese staatliche Umverteilung zustande.

Das ist auch notwendig, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung erzielt relativ geringe Markteinkommen, und die Situation hat sich auch verschlechtert: "Vergleiche mit der Umverteilungsstudie des Wifo aus dem Jahr 2000 zeigen, dass die Verteilung der Markteinkommen deutlich ungleicher geworden ist. Die Markteinkommen inklusive Pensionen des obersten Zehntels waren im Jahr 2000 um 10,8-mal so hoch wie die des ärmsten Zehntels. Im Jahr 2010 haben die Markteinkommen inklusive Pensionen des obersten Zehntels hingegen bereits das 23,6-Fache des untersten Zehntels betragen."

Eine moderne, zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik müsste daher wohl versuchen, die Verschlechterung der Markteinkommen für die untere – meist weniger gut ausgebildete – Schicht aufzuhalten und sogar umzudrehen.

Was aber linke Ökonomen und jetzt offenbar auch Christian Kern propagieren, ist eine "weitere Ausschöpfung der Umverteilungspotenziale", und zwar durch höhere bzw. neue Steuern und Abgaben: Vermögenssteuer- und Erbschaftssteuer. Kern hat ja auch die Objekte bereits ausgemacht: "Großgrundbesitzer und Hausherren".

Die Menschen sollen nicht aus Eigenem und durch qualifizierte Jobs bessere Verdienstchancen erhalten, sondern anderen soll etwas weggenommen und an sie verteilt werden. "Holt euch, was euch zusteht – von den anderen." (Hans Rauscher, 8.8.2017)

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