Mit dem Blindenstock auf der Hauptallee laufen

Blog9. August 2017, 07:00
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Harald Rother ist von Geburt an blind. Er lief seinen besten Halbmarathon in 1:19:33 und wurde bestraft, als er mit einer "normalen" Staffel bei österreichischen Meisterschaften Bronze holte, statt brav den Behinderten zu geben. Heute läuft er mit dem Blindenstock auf der Hauptallee – auch um anderen, Sehenden, zu zeigen, "was alles geht, wenn man sich nicht behindern lässt oder sich selbst behindert"

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foto: thomas rottenberg

Wenn Harald Rother die Geschichte von seinem verlorenen Autoschlüssel erzählt, holt er jenes Kichern und Kudern nach, das er sich dann, wenn er gerade ein paar Leute auf der Schaufel hat, verkneifen muss: "Ich stell mich mit einem verkniffenen Gesicht an ein Eck und such am Boden herum", erzählt Rother. "Und wenn mich wer fragt, was los ist, sage ich, dass ich meine Autoschlüssel verloren habe." Rother grinst. "Dann will mir jeder helfen. Und sucht. Hier, dort, überall." Dann gluckst er fröhlich und kichert, während er weitererzählt: "Und meistens dauert es ziemlich lange, bis der Erste fragt, ob ein Blinder überhaupt Auto fahren kann. Oder darf."

Der 60-jährige Wiener lacht – und legt noch eins nach: "Ein Bekannter hat mir mal einen Autoschlüssel geschenkt. Mit dem kann man das steigern: Da stell ich mich hin und frage Passanten, ob sie mir sagen können, wo mein Auto steht: 'Ein schwarzer Golf – mit einer großen Blindenschleife links und rechts drauf…'" Harald Rother ringt nach Luft.

"Aber weißt du, was das Schöne dran ist? Am Schluss lachen wir dann immer alle gemeinsam."

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