Schonung für Hofmann: "Entscheidung ist nicht korrekt"

    7. August 2017, 18:44
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    Robert Sedlacek, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission, sah im Derby eine gute Leistung von Schiedsrichter Alexander Harkam und kritisiert Rapids Ordnerdienst

    Wien – Kurz vor Schlusspfiff stand Rapids Ersatzmann Steffen Hofmann fuchsteufelswild an der Cornerfahne, wo zuvor Wurfgegenstände geflogen waren. Austrias Spielmacher Raphael Holzhauser hatte den Ehrenkapitän im 322. Wiener Derby (2:2) am Sonntag in aller Gemütlichkeit zur Weißglut getrieben. Hofmanns unmissverständliche Aufforderung: Holzhauser möge den ausstehenden Eckstoß zügig ausführen und um Himmels willen keine Heulsuse sein. Klarer Fall von Verhöhnung, das Regelbuch schreibt in diesem Fall eine gelbe ("Unsportlichkeit") oder gar rote ("schmähende Gebärden") Karte vor.

    Schiedsrichter Alexander Harkam verfolgte das Geschehen aus nächster Nähe und verzichtete zur allgemeinen Verwunderung auf eine Verwarnung. Eine Erklärung lieferte der Referee nach dem Match im Interview mit dem TV-Sender Sky Sport Austria: "Ich hätte den Spieler Hofmann mit Gelb verwarnen müssen. Damit hätte ich aber nur noch mehr Öl ins Feuer gegossen. Ich wollte die Situation so lösen, dass wir weiterspielen können."

    Zuvor hatte Harkam das Spiel bereits für einige Minuten unterbrechen müssen, unter anderem war eine Fahnenstange auf dem Rasen gelandet.

    "Menschlich kann ich es verstehen"

    Eine Erklärung, die Robert Sedlacek nicht gelten lassen kann. "Menschlich kann ich es verstehen, aber die Entscheidung ist nicht korrekt. Die Regeln bieten keinen Freiraum, das war eine klare Unsportlichkeit und ist zu ahnden", sagt der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission im Fußballverband dem STANDARD.

    Hofmann, so Sedlacek, sei zwar in Absprache mit dem Schiedsrichter zum Fansektor gegangen, um die Gemüter zu beruhigen, hätte sich aber nicht dem Spielgeschehen zuwenden dürfen.

    Die allgemeine Leistung des Schiedsrichterteams sei angesichts einer intensiv geführten Auseinandersetzung jedoch positiv zu beurteilen: "Es war bestimmt eines der hitzigeren Derbys, eine Herausforderung. Der Schiedsrichter muss im Rahmen seiner Möglichkeiten die Kontrolle über das Match bewahren. Das ist ihm gut gelungen."

    Kritik übt Sedlacek indes am Ordnerdienst der veranstaltenden Hütteldorfer. Den Ball in Händen hatte einer der Ordner Holzhauser in ein Gespräch verwickelt und so die Fortsetzung des Spiels behindert. "Die Aufgabe dieser Personen ist es, sich um die Fans zu kümmern und nicht auf gegnerische Spieler einzureden." (Philip Bauer, 7.8.2017)

    • Heimvorteil im Allianz-Stadion.
      foto: apa/neubauer

      Heimvorteil im Allianz-Stadion.

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