Franken verliert an Kraft

7. August 2017, 18:15
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Der Schweizer Franken schwächelt, und alle freuen sich. Die Kreditnehmer hoffen, dass sich ihre Schuld wieder verkleinert. Unternehmer freuen sich über Exportgewinne.

Wien – Der Schweizer Franken verliert an Wert. Seit Jahresbeginn hat der Franken gegenüber dem Euro um mehr als sieben Prozent nachgegeben. Zuletzt war der Franken zum Euro so günstig wie vor zweieinhalb Jahren.

Damals hatte die Schweizer Notenbank SNB überraschend den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben und damit vielen Inhabern von Frankenkrediten schlaflose Nächte beschert. Ihre in Franken aufgenommene Schuld wurde plötzlich größer, viele haben in einer ersten Reaktion den Kredit in Euro konvertiert – andere hoffen, dass der Kurs bei Kreditfälligkeit gut für sie steht. Nun können die Kreditnehmer tatsächlich Hoffnung schöpfen, denn Europas Wirtschaft ist im Aufschwung, die Arbeitslosenzahlen sinken – all das sind Zeichen dafür, dass der Euro gegenüber dem Franken weiter an Wert zulegen kann. Auch das politische Risiko hat sich nach den wichtigen Wahlen – etwa in Frankreich – gelegt.

"Die Leute reden nicht mehr vom Auseinanderfallen des Euro, also gibt es keine Nachfrage nach dem sicheren Hafen Franken", sagt Ulrich Leuchtmann, Devisenstratege bei der Commerzbank. Grund für den schwachen Franken ist auch die weiterhin expansive Geldpolitik der SNB, sagt Peter Rosenstreich von Swissquote. "Das bedeutet, dass sich Investoren vom Franken abwenden und dorthin gehen, wo sie höhere Renditen bekommen, sei es im Euro oder anderswo."

Verstärkt hat den Abwärtstrend der über hunderte Plattformen laufende maschinengesteuerte Devisenhandel. "Sobald sich eine Richtungsänderung abzeichnet, springen alle darauf auf, und ein sich selbst verstärkender Trend entsteht, sagt Jürg Mettler, Devisenexperte bei Julius Bär.

Neben den Kreditnehmern freuen sich auch die Schweizer Unternehmer über die derzeitige Frankenschwäche. Denn die lange Zeit unter dem starken Franken leidenden Unternehmen verdienen damit beim Verkauf ihrer Produkte im Ausland wieder deutlich mehr. "Das sind sehr gute Nachrichten – für uns und für alle Exporteure", fasst der Chef des Schweizer Schleifmaschinenherstellers Agathon, Michael Merkle, zusammen. (Reuters, bpf, 7.8.2017)

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