RHI-Magnesita stehen harte Jahre bevor

7. August 2017, 17:23

Im ersten Jahr übersteigen die Fusionskosten bei weitem die Einsparungen, der Einfluss der Austro-Betriebsrats wird massiv geschwächt

Wien – Die Übernahme der brasilianischen Magnesita durch den Feuerfest-Hersteller RHI wurde von den Aktionären am Freitag abgesegnet. Nun geht es um die Umsetzung des hochkomplizierten Deals. Das RHI-Management rund um RHI-Generaldirektor Stefan Borgas verspricht eine deutliche Erhöhung der Auslastung durch Werksschließungen und Produktionslinienoptimierungen. Derzeit liege die Auslastung bei 68 bis 70 Prozent, nach der Hebung von Synergien soll diese bei 80 bis 85 Prozent liegen, kündigte Borgas am Montag in einer Telefonkonferenz an. Ab 1. November soll der neue Konzern RHI-Magnesita mit Konzernholding in den Niederlanden und Börsennotierung in London operativ sein. Die Wettbewerbsbehörden haben, wie berichtet, bereits grünes Licht gegeben.

"Größere Werke werden wir noch größer machen und kleinere schließen", sagte der designierte Chef der RHI-Magnesita-Gruppe (RHI-Mag). Mit befürchteten und von den Belegschaftsvertretern bekämpften Einschnitten bei Produktionsstandorten in Österreich muss Borgas freilich warten. Für die RHI-Mitarbeiter in Österreich wurde eine dreijährige Beschäftigungsgarantie zugestanden. Auch für danach gebe es keine Pläne, "wilde Dinge zu tun", versicherte Borgas, der darauf verwies, dass die Konzernzentrale in Wien gestärkt werde, das gesamte "Leadership"-Team im Turm auf dem Wienerberg sitze und der Vorstand nicht zersplittert sei.

Weniger Einfluss für Austro-Betriebsrat

Der Einfluss des österreichischen Betriebsrats wird freilich massiv geschwächt. Im Verwaltungsrat mit elf Kapitalvertretern stellen die Österreicher lediglich einen Arbeitnehmervertreter. Die restlichen fünf kommen aus diversen Produktionsstandorten von Brasilien bis Italien, die je einen Sitz und Stimme haben. Selbst der Irland-Ableger mit nur rund hundert Beschäftigten hat eine Stimme.

Klar ist seit der Hauptversammlung auch, dass die ersten Jahre mühsam werden. Die Fusionskosten zehren die Synergieeffekte auf: Das Einsparpotenzial wurde mit 18 bis 41 Mio. Euro angegeben, die "Dyssynergien" mit 51 bis 64 Millionen. Im zweiten Jahr stehen 43 bis 112 Mio. an Einsparungen nur mehr 26 bis 37 Mio. Dyssynergien gegenüber. Borgas beziffert die Synergievorteile dann bereits mit 70 Mio. Euro an. Im dritten Jahr sollten die Einsparungen weit überwiegen und die Dyssynergien auf vier bis acht Mio. Euro sinken. Der Verkaufsprozess für die drei Standorte, die RHI aus kartellrechtlichen Gründen abgeben muss, laufe. Deren Umsatzbeitrag betrage rund 50 Mio. oder drei Prozent des RHI-Umsatzes.

Zusammen machen RHI und Magnesita mit Feuerfestprodukten für Stahl-, Glas- und Zementindustrie rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz und rund 15.000 Mitarbeiter. (ung, APA, 7.8.2017)

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