Neue Technologie zur Früherkennung von Netzhauterkrankungen

    7. August 2017, 15:23
    4 Postings

    An der Medizinischen Universität Wien werden neue bildgebende Verfahren entwickelt, um Makuladegeneration und Glaukome frühzeitig zu erkennen

    Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist ein Live-Bildgebungsverfahren, mit dessen Hilfe Erkrankungen der Netzhaut hochauflösend frühzeitig erkannt werden können, wie etwa die altersbedingte Makuladegeneration, diabetesbedingte Erkrankungen, Glaukom oder Gefäßverschlüsse. Um allerdings die zelluläre Auflösung der Netzhaut und damit noch bessere Ergebnisse zu erhalten, musste man bisher teure, adaptive Optiken verwenden, die die dabei auftretenden Bildfehler korrigieren.

    Nun ist es Wissenschaftern der MedUni Wien vom Zentrum für medizinische Physik und biomedizinische Technik aber gelungen, mit Hilfe einer an der MedUni Wien entwickelten, neuen Technik, der "Line Field"-OCT, den Einblick in die zellulären Vorgänge im Auge zu vereinfachen und eine noch genauere Diagnose zu ermöglichen.

    Ähnlich wie Ultraschall

    Die optische Kohärenztomografie funktioniert ähnlich wie die Ultraschalltechnik, jedoch berührungslos mit Licht, und macht hochauflösende Schnittbilder von biologischem Gewebe. Man bezeichnet diese Methode auch als "optische Biopsie". Die neue LF-OCT-Technologie wurde jetzt in einer aktuellen Studie präsentiert. "Mit unserer neuen Methode können wir die Korrekturen digital durchführen, ohne dass wir teure, Hardware basierte adaptive Optiken benötigen. Durch die eingesetzte Linienbeleuchtung sind sehr schnelle Bildraten möglich, die extrem wichtig für diese Korrekturen sind. Damit ist es uns möglich, Bildfehler über das gesamte dreidimensionale Volumen der Netzhaut zu korrigieren", erklärt Laurin Ginner.

    Die Linienbeleuchtung funktioniert ähnlich wie ein Scanner – ein Lichtstreifen "scannt" das Auge und macht bessere Bilder möglich. Somit können einzelne Photorezeptoren, kapillare Blutgefäße und einzelne Nervenfasern in derselben Aufnahme aufgelöst werden. Außerdem ist eine Refokussierung möglich, eine Neuausrichtung und digitale Nachbearbeitung der erhaltenen Bilddaten, um dem Wissenschafter die bestmöglichen Ergebnisse für die Diagnostik zu liefern. (red, 7.8.2017)

    Originalpublikation:

    Noniterative digital aberration correction for cellular resolution retinal optical coherence tomography in vivo

    Zum Weiterlesen:

    Wie Bildschirme der Netzhaut schaden

    UV-Schutz: Auch die Augen brauchen Schutz

    Grünen Star: Ab 40 zur Vorsorge

    Was OCT kann und können wird

    Die optische Kohärenztomographie (OCT) wurde in Kooperation zwischen dem Zentrum für medizinische Physik und biomedizinische Technik und der Augenklinik der MedUni Wien entwickelt und wird von den Wiener Physikern und Ophthalmologen ständig weiter verbessert. Ein Einsatzgebiet außerhalb der Augenheilkunde für die OCT liegt aktuell in der Früherkennung von Hautkrebs in der Dermatologie.

    Mit dieser neuen, noch exakteren Methode könnten aber auch andere Gebieten in der medizinischen Diagnostik – etwa in der Chirurgie oder in der Zahnheilkunde – erschlossen werden, da eine noch exaktere, personalisierte Medizin möglich gemacht wird. Auch bei der Diagnose neurodegenerativer Erkrankungen ist der Einsatz dieser Technik denkbar, weil das Auge als ‚Fenster‘ zum Gehirn. Die Hoffnung ist, dass die höhere Auflösung hilft, die Diagnosen generell noch genauer zu machen. Rund 30.000 Menschen werden jährlich an der Universitätsklinik für Augenheilkunde der MedUni Wien, der größten Europas, mit OCT untersucht.

    Share if you care.