Salzkammergut-Festwochen: Geister der irdischen Welt

7. August 2017, 16:39
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Mit Ferdinand Raimund, Franz Kafka und Thomas Bernhard wird in Gmunden Seelenforschung betrieben. Mastermind Franz Schuh lies – einmal szenisch mit Maria Hofstätter

Gmunden – Der Wiener Kulturphilosoph Franz Schuh ist literarischer Berater der Salzkammergut-Festwochen Gmunden und als solcher bei Veranstaltungen rund um den Traunsee auch live dabei. Heute liest Schuh zwei eigene Essays, die sich die Künstlerexistenz zum Thema genommen haben. Sie handeln von deren Pathos wie von deren Ernüchterung und beziehen sich einerseits auf Frank Kafka sowie andererseits auf Thomas Bernhard.

1922, zwei Jahre vor Kafkas Tod, erschien dessen Erzählung Ein Hungerkünstler, eine Parabel über die künstlerische Existenz und über die Notwendigkeit ihrer Verwirklichung, also die Voraussetzung eines Publikums. Bei Kafka steht aber die Skepsis gegenüber der Kunst im Vordergrund, auch weil die Rezipienten diese doch immer nur missverstehen würden. Interessanterweise hatte Kafka in einer testamentarischen Verfügung über die Vernichtung seines Nachlasses den Hungerkünstler von dieser explizit ausgenommen.

Bauer als Millionär

Im zweiten Essay beschäftigt sich Schuh mit dem von Hassliebe geprägten Verhältnis Thomas Bernhards zu Österreich – ein Dauerbrenner!

Am Donnerstag tritt Franz Schuh dann ein weiteres Mal auf die Bühne. Der 70-Jährige, der sich in seinem aktuellen Essayband Fortuna (Zsolnay 2017) als Glückssucher begreift und dabei als Langeweilevertreiber erweist, trägt an der Seite von Schauspielerin Maria Hofstätter (bekannt u. a. aus Filmen von Ulrich Seidl sowie Arbeiten des Projekttheaters Vorarlberg) in einer szenischen Lesung aus Ferdinand Raimunds Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär vor. In dem "romantischen Original-Zaubermärchen" werden Feen-, Geister- und irdische Welt kurzgeschlossen, um moralischer Untiefen gewahr zu werden.

foto: regine hendrich

Anders als Nestroys skeptische Dichtungen ist Raimunds Kunst auf eine artifizielle Weise naiv. Sein Lied der Jugend leiht dem Abend im Seeschloss Ort den Titel – und gehört zu den Klassikern des heimischen Liedergutes: "Brüderlein fein, Brüderlein fein, / Zärtlich muss geschieden sein. / Denk manchmal an mich zurück, Schimpf nicht auf der Jugend Glück! / Drum, Brüderlein fein, Brüderlein fein, / Schlag zum Abschied ein!" (Gerhard Dorfi, 7.8.2017)

8. 8., Gmunden, Galerie 422, An der Traunbrücke 9-11, 19.30

10. 8., Seeschloss Ort, Johann-Orth-Allee 16, 19.30

Salzkammergut-Festwochen Gmunden

  • "Brüderlein fein": Unter diesem Titel aus Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" tritt...
    foto: wikimedia

    "Brüderlein fein": Unter diesem Titel aus Ferdinand Raimunds "Der Bauer als Millionär" tritt...

  • ... Schauspielerin Maria Hofstätter mit Franz Schuh zu einer szenischen Lesung an.
    foto: matthias cremer

    ... Schauspielerin Maria Hofstätter mit Franz Schuh zu einer szenischen Lesung an.

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