Bund stellt 400 Millionen Euro Soforthilfe zur Verfügung

Video7. August 2017, 13:56
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Ausweitung des Katastrophenfonds möglich – Vermisster Wanderer im Zillertal tot aufgefunden

Graz/Oberwölz – Außenminister Sebastian Kurz hat am Montag mit Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (beide ÖVP) Oberwölz, eines der steirischen Katastrophengebiete, besucht und anschließend in Graz finanzielle Soforthilfe zugesichert. Betroffene Privatpersonen können ab sofort bei ihren Gemeinden Entschädigungsanträge einreichen.

400 Millionen Euro stehen insgesamt im Katastrophenfonds zur Verfügung. "Sollte der Fonds nicht ausreichen, kann er auch ausgeweitet werden", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP). Schützenhöfer hatte am Sonntag bekanntgegeben, dass das Land zehn Millionen Euro Soforthilfe ausschütten werde. Allein die Wiederherstellung der Panoramastraße dürfte rund 4,5 Millionen Euro kosten.

Ausweitung des kommunaler Finanzierung

Schelling kündigte an, dass er in der Regierung einen Vorschlag zur Ausweitung des kommunalen Finanzierungsprogramms für die Prävention derartiger Schäden einbringen will. Notfalls soll das Programm auch verlängert werden. Kurz bekräftigte ein "Commitment" der Regierung, "möglichst schnell zu helfen". Bei dem Termin in Oberwölz, der bewusst ohne Medienbegleitung stattfand, habe er einen Eindruck bekommen, "was Wassermassen und Schlamm anrichten" können. Hochwasserschutz funktioniere und sollte nicht belächelt werden, so Schelling.

foto: apa/bh liezen

Schützenhöfer zeigte sich von den Schäden betroffen: "Es liegen schwierige Tage hinter uns. Wir haben in den Bezirken Murau, Murtal und Liezen sehr große Schäden. 16 Gemeinden wurden zu Katastrophengebieten erklärt." Doch auch außerhalb der am stärksten betroffenen Bezirke seien Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz. Schützenhöfer bedankte sich bei den Helfern, die "bis zum Umfallen arbeiten", aber auch bei der Bevölkerung, die den Einsatzkräften Wasser und Mehlspeisen bringen würden. "Sie alle leisten unbezahlbare und unersetzbare Dienste."

13-Jähriger ums Leben gekommen

Schützenhöfer merkte aber auch an, dass es in den vergangenen zehn Jahren zu noch größeren Katastrophen in der Steiermark gekommen war – etwa beim Schneechaos in Mariazell 2006 und den Muren in Gasen 2008. "Wir werden auch diese Situation lösen." Er bedauerte den Tod des 13-jährigen Niederösterreichers, der in der Nacht auf Freitag in St. Georgen am Kreischberg ums Leben gekommen war. Die Staatsanwaltschaft Leoben erklärte am Montag, dass noch kein Obduktionsergebnis vorliegt.

foto: apa/hbf/pusch

Schützenhöfer forderte ein "Sonderpaket" für finanzielle Sofortmaßnahmen, wollte aber keine Zahlen nennen, "weil das Ausmaß der Schäden noch nicht errechnet werden kann". Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass "punktuelle Katastrophen zunehmen". Allerdings würden die Schutzmaßnahmen greifen, sonst wäre Oberwölz diesmal "weggeschwommen". Schickhofer sprach von schlaflosen Nächten: "Tausende Menschen waren betroffen, und tausende haben geholfen." Er ersuchte die Regierung zusammenzustehen, denn die "Steirer brauchen Hilfe".

Auch Kern in Oberwölz

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sagte am Montag wegen der Unwetter einen Besuch bei den Stadtwerken in Kapfenberg ab und begab sich ebenfalls nach Oberwölz. Er wohnte einer Sitzung der Einsatzleitung bei und machte sich ein Bild von den Aufräumarbeiten. Der Kanzler versprach rasche und unbürokratische Hilfe.

foto: elmar gubisch

"Es ist herausragend, was die Retter und Helfer geleistet haben und leisten, ich bedanke mich ausdrücklich dafür", sagte er. Es sei beeindruckend, wie die Gemeinschaft in solchen Situationen zusammenhalte. Es gehe darum, möglichst rasch die von ihm vorgeschlagene Regelung für freiwillige Helfer im Katastropheneinsatz zu realisieren. Diese müssten dafür drei zusätzliche Urlaubstage von ihren Arbeitgebern bekommen, die Kosten dafür würden aus dem Katastrophenfonds des Bundes beglichen. "Der ist gut gefüllt, das ist machbar", sagte der Kanzler.

Evakuierungen aufrecht

Nach dem dritten Abend mit heftigen Regenfällen in Folge hat sich in der Nacht auf Montag die Lage in den Unwettergebieten etwas entspannt. In der Steiermark blieben Evakuierungen, etwa im Bezirk Murau, aber aufrecht. In Kärnten sind rund 800 Haushalte noch immer von der Stromversorgung abgeschnitten. Mehr als 1.100 Feuerwehrleute standen im Dauereinsatz, um etwa Keller auszupumpen. In Salzburg ist die Katschbergstraße (B99) weiterhin teilweise gesperrt.

foto: apa/bfv mu/lercher

Ein deutscher Wanderer, der am Sonntag in Ginzling im Zillertal (Bezirk Schwaz) in den Floitenbach gestürzt war und vermisst wurde, ist am Montag bei einer Suchaktion tot aufgefunden worden. Der 57-Jährige, der am Sonntag gemeinsam mit einem Begleiter von der Berliner Hütte abgestiegen war, wollte den hochwasserführenden Floitenbach im Floitental mithilfe eines über den Bach gespannten Drahtseils überqueren, als es zu dem Unglück kam. Nachdem der Mann in den Bach gestürzt war, wurde er sofort abgetrieben. Sein Begleiter schlug Alarm.

Die meisten Blitze in der Steiermark

Während der Unwetter kam es vor allem in der Steiermark zu zahlreichen Blitzeinschlägen. So gab es rund die Hälfte aller Wolke-Erde-Blitze der vergangenen drei Tage mit 6.329 Einschlägen in der Steiermark, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG). Die Steiermark gehöre zu den blitzreichsten Gegenden Europas und bekomme auch aufgrund ihrer Fläche zahlreiche Blitzeinschläge ab. Hier herrschen durch die südliche Lage und die Nähe zur Adria oft ideale Voraussetzungen für Gewitter: Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit.

orf

In ganz Österreich schlugen von Freitag bis Sonntag 14.171 Wolke-Erde-Blitze ein, hieß es von der ZAMG unter Berufung auf Daten des österreichischen Blitzortungssystems Aldis (Austrian Lightning Detection and Information System). Inklusive anderer Blitzentladungen wie etwa sogenannte Wolke-Impulse – also Blitze in den Wolken – wurden am vergangenen Wochenende 130.757 Blitze gezählt.

foto: apa/ff strassburg

Seit Jahresanfang schlugen in Österreich rund 106.000-mal Wolke-Erde-Blitze ein. Das liege knapp über dem langjährigen Durchschnitt, so Wostal. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum weniger Blitzeinschläge (90.298), im Jahr 2015 mehr (121.708). Als Beispiel für ein sehr starkes Blitzjahr in jüngerer Vergangenheit führte Wostal zum Vergleich das Jahr 2012 an, in dem es im gleichen Zeitraum (von 1. Jänner bis 6. August) 180.085 Blitzeinschläge gegeben hatte.

Zählt man auch andere Blitzentladungen dazu, blitzte es heuer in Österreich bereits etwas mehr als 805.000-mal. Auch diese Zahl ist knapp über dem Mittel der letzten Jahre. (APA, red, 7.8.2017)

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