Prinz will nicht neben Königin begraben werden: Ärger in Dänemark

    7. August 2017, 14:33
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    Geht es um Adelstitel, sieht Henrik von Dänemark keine Gleichberechtigung in seinem Land – der Prinz zeigt sich mit seinem Titel unzufrieden

    Kopenhagen – Prinz Henrik von Dänemark hat verkündet, dass er nicht bis in alle Ewigkeit neben seiner Gattin liegen möchte. Der Ehemann von Königin Margarethe II. teilte vergangene Woche mit, dass er nach seinem Tod nicht wie sonst üblich mit seiner Gattin begraben werden möchte. Die Entscheidung wurde von einem Sprecher des Königshauses gegenüber der französischen Zeitung "Le Figaro" bekanntgegeben.

    DänInnen über Prinzen verärgert

    Nun hat der Fernsehsender TV2 die Ergebnisse einer Online-Umfrage veröffentlicht, wonach die Entscheidung des Prinzen nicht gut bei der Bevölkerung ankommt. 54 Prozent der Befragten stimmten nicht damit überein, dass der Prinz die Entscheidung, wo er begraben wird, selbst treffen sollte. Nur 21 Prozent gaben ihre uneingeschränkte Zustimmung zu seiner Entscheidung. Der Historiker Lars Hovbakke Sørensen zeigt sich überrascht von dem Ergebnis. Normalerweise sei sich die Bevölkerung in solchen Fragen weniger einig.

    Noch deutlicher wird der Unmut der Bevölkerung, wenn man sich ansieht, wie Frauen und die über 60-Jährigen abgestimmt haben. Mit 63 und 64 Prozent waren sich diese beiden Gruppen einig in ihrer Ablehnung von Henriks Entscheidung. Dass vor allem Frauen und Ältere die Entscheidung kritisch sehen, ist für Sørensen jedoch nachvollziehbar. Die Frauen würden darin Kritik an der Königin sehen, und die Älteren halten besonders stark an Traditionen fest.

    Prinz beklagt Diskriminierung in Dänemark

    Diese neuerliche Entwicklung ist die jüngste in einer Reihe an Meldungen über den Prinzen, der offenbar sein Leben lang unzufrieden mit seiner Rolle an der Seite seiner Frau war. Henrik hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er gerne den Titel des Königs oder Königinnengemahls erhalten hätte. In einem Interview mit "Le Figaro" klagte er diesbezüglich im Jahr 2015 über Diskriminierung. Dänemark sei sonst ein Land, das sich für Gleichberechtigung einsetze, aber hier sei es anscheinend so, dass Männer weniger wert sind als ihre Frauen.

    Da der Titel "König" jenem der "Königin" laut Protokoll übergeordnet ist, gibt es keine Möglichkeit, den Mann einer rechtmäßigen Monarchin als König zu bezeichnen, ohne dass dieser dadurch ranghöher werden würde. In Fällen, in denen eine Frau Königin ist, ist daher der Titel Prinzgemahl geläufig. Als Prinz Henrik im Jänner 2016 all seine offiziellen Tätigkeiten beendete, legte er damit auch seinen ungeliebten Titel "Prinzgemahl" ab.

    In einem Interview des Magazins "BT" bestätigte Lene Balleby, Leiterin der Kommunikationsabteilung des dänischen Königshauses, dass die Königin bereits länger von der Entscheidung ihres Gatten über seine letzte Ruhestätte Bescheid weiß und damit einverstanden ist. Der extra angefertigte Sarkophag des Künstlers Bjørn Nørgaard soll bestehen bleiben, jedoch wird Königin Margarethe nun allein damit in der Kathedrale von Roskilde begraben werden. (APA, red, 7.8.2017)

    • Der dänische Prinz Henrik fühlt sich diskriminiert.
      foto: ap/tidsvilde stine

      Der dänische Prinz Henrik fühlt sich diskriminiert.

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