Ärzte ohne Grenzen bestreitet Anlegeverbot in Sizilien

7. August 2017, 11:52
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Schiff habe wegen zu viel Tiefgangs nicht in Lampedusa einlaufen können und sei nach Catania weitergefahren

Rom – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen bestreitet Berichte über ein angebliches Anlegeverbot ihres Such- und Rettungsschiffs VOS Prudence in Lampedusa. Die Rettungseinsätze seien völlig transparent und fänden in Übereinstimmung mit dem internationalen Seerecht und in enger Koordination mit den zuständigen Behörden statt, betonte die NGO am Montag.

"Die Leitstelle für die Koordination der Seenotrettung in Rom (MRCC – Maritime Rescue Coordination Centre) hatte die Prudence zuvor angewiesen, die geretteten 127 Passagiere nach Lampedusa zu bringen. Da die Prudence zu viel Tiefgang hat und nicht in den Hafen einlaufen kann, wurden die Passagiere an die italienische Küstenwache übergeben. Es handelt sich dabei um ein übliches Vorgehen. Die Prudence ist dann weiter nach Catania gefahren", berichtete die Organisation in der Aussendung.

Das einzige Ziel des Rettungseinsatzes sei es, akut bedrohtes Leben zu retten. "Ärzte ohne Grenzen hat in diesem Jahr mehr als 18.000 Menschen in Seenot unterstützt. Alle Rettungseinsätze werden von der italienischen Küstenwache koordiniert", betonte die NGO, die den von der italienischen Regierung verfassten Verhaltenskodex nicht unterzeichnet hat.

Druck auf NGOs

Zuvor hatten Medien berichtet, dass die italienischen Behörden Ärzte ohne Grenzen verboten hätten, Flüchtlinge nach Rettungseinsätzen im Meer nach Sizilien zu bringen. Grund dafür sei, dass Italien den Druck auf NGOs verschärfen wolle, den Verhaltenskodex zu unterschreiben.

Ärzte ohne Grenzen hatte am Samstag Berichte zurückgewiesen, wonach auch sie wegen Rettungsaktionen von Migranten im Mittelmeer im Visier der italienischen Ermittler sei. Man sei von keiner Staatsanwaltschaft über Untersuchungen informiert worden, teilte die Organisation mit. Der "Corriere della Sera" hatte berichtet, dass auch Mitglieder von Ärzte ohne Grenzen wegen mutmaßlicher Begünstigung von illegaler Einwanderung ins Fadenkreuz der Staatsanwaltschaft gerückt seien. "Wir hoffen, dass so schnell wie möglich Zweifel aus dem Weg geschafft werden, um dieses Tröpfeln von Anschuldigungen zu beenden, das das Klima in einer immer finstereren Lage vergiftet", erklärte die Organisation. (APA, red, 7.8.2017)

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