Carla Del Ponte: "In Syrien sind alle böse"

    6. August 2017, 19:11
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    Ehemalige UN-Chefanklägerin sieht sich als "Alibi-Ermittlerin" missbraucht

    Genf – Die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla Del Ponte verlässt die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für Syrien. Der schweizerischen Boulevardzeitung "Blick" sagte Del Ponte am Sonntag, im September werde sie letztmals an einer Sitzung der Untersuchungskommission für das Bürgerkriegsland teilnehmen. Sie sei "frustriert" und verlasse ihren Posten.

    Das von ihr bereits verfasste Rücktrittsschreiben werde sie in den kommenden Tagen an die Kommission senden. "Ich kann nicht mehr in dieser Kommission sein, die einfach nichts tut", fügte die Juristin hinzu.

    Sie sei lediglich als "Alibi-Ermittlerin ohne politische Unterstützung" eingesetzt worden. Solange der UN-Sicherheitsrat kein Sondertribunal für die Kriegsverbrechen in Syrien einrichte, seien Berichte sinnlos. Der Sicherheitsrat wolle "keine Gerechtigkeit". Zu Anfang habe es in Syrien "die Guten und die Bösen" gegeben – die Regierung als Böse und ihre Gegner als Gute.

    Mittlerweile seien in Syrien alle böse, sagte Del Ponte. Die Regierung des Präsidenten Bashar al-Assad verübe "schreckliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit" und setze Chemiewaffen ein. Die Opposition bestehe nur noch aus "Extremisten und Terroristen".

    Die in Syrien verübten Verbrechen nannte die 70-jährige Schweizerin schlimmer als diejenigen in Ruanda oder im ehemaligen Jugoslawien. Del Ponte war von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag für die Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien sowie für den Völkermord in Ruanda.

    Der UN-Menschenrechtsrat hatte die Untersuchungskommission für Syrien im August 2011 eingesetzt – wenige Monate nach dem Beginn der Proteste gegen Assad im März. Del Ponte trat der Kommission im September 2012 bei.

    • Carle del Ponte mag nicht mehr
      foto: apa/afp/fabrice coffrini

      Carle del Ponte mag nicht mehr

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