Wahlkampf: Unter den Hufen

Einserkastl6. August 2017, 16:14
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Wer im Wald herumhockt und einen dunkleren Teint hat, der ist halt verdächtig

Der Wahlkampf treibt das Land vor sich her wie die Stiere von Pamplona die Läufer. Was nicht passt, wird passend gemacht. Das Thema Fluchtgeschehen schwebt allgegenwärtig über den Wassern, obwohl längst nicht mehr so viele Flüchtlinge das Land betreten. Der von Liste Kurz und FPÖ nachgeschärfte Tunnelblick reicht aber so weit, dass aufgrund mehrerer Meldungen besorgter Bürger französische Pfadfinder im österreichischen Wald gleich zweimal von der Polizei gesucht wurden – sogar mit Hubschraubereinsatz. Wer im Wald herumhockt und einen dunkleren Teint hat, der ist halt verdächtig. Oder gar kriminell.

Kochende Stimmung

Efgani Dönmez verortet einen Skandal im Freibad, weil Burkiniträgerinnen nicht explizit ausgeschlossen werden. Ein Leserbrief in der Krone fordert Krieg gegen Migranten. Gedruckt wird er trotzdem. Mehr braucht es nicht. Die Stimmung soll zum Kochen gebracht werden.

Dabei gibt es so viele Themen, die passen: Verteilungsgerechtigkeit, Gleichberechtigung, Arbeitnehmerschutz. Bürgerrechte. Ein Miteinander. Das Mobilisieren mit Zuhilfenahme eines Gegeneinanders gelingt freilich leichter – davon zeugen die Wahlkämpfe der FPÖ. Dass eine ursprünglich christlich-soziale Partei nun passend neu gestrichen auf den blauen Zug aufspringt – mit sanfterer Stimme, mit brutalen Aussagen -, und das um des schnellen Erfolges willen, ist tragisch, aber Realität. Es braucht mehr Gegendruck. (Julya Rabinowich, 6.8.2017)

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