Cybercrime: Peinlich berührt

Kommentar4. August 2017, 17:43
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Die jüngste Anzeigenstatistik gibt Grund zur Hoffnung. Meldungen von Cybercrime-Attacken sind drastisch gestiegen

Naomi möchte in mein Land investieren. In der Mail, die erst gestern durch den Spamfilter schlüpfte, spricht sie von 4,5 Millionen Dollar, die ihr Vater, ein Kakao- und Goldkaufmann aus Côte d'Ivoire, hinterlassen habe. Für meine "Dienstleistung" beim Finanztransfer bietet Naomi 20 Prozent ihres geerbten Geldes.

Irgendwie happig, die gute Naomi. Viele ihrer Vorgänger haben die zehnfache Summe geboten. Aber vielleicht gehen die Geschäfte mit dem Vorschussbetrug gerade nicht so gut und die kriminellen Scam-Absender versuchen es mit einem Summer-Sale.

Unseriöse Angebote wie das von Naomi sind eigentlich leicht als solche erkennbar. Trotzdem gibt es auch in Österreich immer wieder Geschädigte, die 50.000 Euro oder mehr verlieren – und sich danach so genieren, dass sie keine Anzeige erstatten. Auch im gefakten Onlineshop abgezockte Kunden oder Firmen, die mit der Lahmlegung ihrer Netzwerke erpresst werden, sind oft peinlich berührt und wollen kein Aufsehen erregen.

Die jüngste Anzeigenstatistik gibt aber Grund zur Hoffnung. Demnach sind Meldungen von Cybercrime-Attacken neuerlich drastisch gestiegen. 7541 entsprechende Anzeigen wurden im ersten Halbjahr erstattet. Das heißt, dass immer mehr Betroffene sich wehren.

Sorry, Naomi, aber auch du bist bei der Meldestelle against-cybercrime@bmi.gv.at gelandet. (Michael Simoner, 4.8.2017)

Weitere Kommentare von Michael Simoner lesen sie hier.

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