Anklage gegen Netanjahu möglich

4. August 2017, 17:25
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Druck auf Israels Premier wächst – Netanjahu beklagt "Hexenjagd"

Über die "Prüfung" von Korruptionsvorwürfen gegen Benjamin Netanjahu und polizeiliche Verhöre des Premiers zu verschiedenen Fällen berichten israelische Medien schon seit gut einem Jahr, doch nun wäre es gewissermaßen amtlich: In einem Dokument der Polizei soll ausdrücklich festgestellt werden, dass gegen Netanjahu wegen Bestechlichkeit, Betrug und Untreue ermittelt werde, also wegen schwerer Straftaten.

Netanjahu reagierte auf die Spekulationen über eine mögliche Anklage wieder mit der gleichen Formel: "Es wird nichts geben, weil es nichts gegeben hat." Er beklagt eine "Hexenjagd", in seinem Lager hieß es, weil man Netanjahu nicht durch Wahlen loswerden könne, versuchten es seine Feinde über die Polizei.

Gefährlicher Kronzeuge

Die jetzige Nennung der vermuteten Straftatbestände hat damit zu tun, dass die Polizei ein Gericht ersucht hat, zu den Ermittlungen eine Nachrichtensperre zu verfügen. Dahinter verbirgt sich laut Beobachtern eine "dramatische Entwicklung", die für Netanjahu gefährlich werden könnte. Der Polizei soll es gelungen sein, Ari Harow als Kronzeugen zu gewinnen. Der frühere Stabschef des Premiers steht selbst unter Korruptionsverdacht und könnte für sich eine Straferleichterung herausholen, wenn er gegen Netanjahu aussagt. Netanjahu soll in drei Polizeiakten mit der Nummerierung 1000, 2000 und 3000 aufscheinen. Am ehesten nach Bestechung sieht "Akt 1000" aus. Der Hauptvorwurf besteht darin, dass Netanjahu über Jahre von dem Milliardär Arnon Milchan, einem Hollywoodproduzenten, mit sündteuren Zigarren und Champagner versorgt worden sein soll.

Netanjahus Anhänger meinen, dass man wegen harmloser Geschenke eines Freundes doch nicht einen Premier anklagen und zu Fall bringen könne. Doch Netanjahu soll gut 20 Zigarren im Monat paffen, sodass die Zuwendung sich zu mehr als Hunderttausend Euro summiert haben könnte. Im "Akt 2000" geht es um kuriose Absprachen zwischen Netanjahu und dem israelischen Medienmogul Arnon Moses – dabei scheinen keine Gelder geflossen zu sein, aber die beiden könnten einander Vorteile verschafft haben. Der "Akt 3000" betrifft die Lieferung deutscher Unterseeboote an Israel. Netanjahu steht nicht unter Verdacht, aber Personen aus seinem Umfeld sollen Bestechungsgelder kassiert haben. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, 5.8.2017)

  • Fühlt sich sicher: Benjamin Netanjahu.
    foto: reuters/amir cohen

    Fühlt sich sicher: Benjamin Netanjahu.

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