Wiener Büromarkt im Bann von Nationalratswahl und EMA

5. August 2017, 08:02
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Die Ansiedlung der EU-Arzneimittelbehörde wäre ein großer Deal, die Wahl am 15. Oktober sorgt aber auch für Zurückhaltung im öffentlichen Sektor

Wien – Es ist schon einmal besser gelaufen am Wiener Büromarkt. Vergangenes Jahr zum Beispiel: Da wurde eine Vermietungsleistung von 270.000 m² erreicht. Ein starkes viertes Quartal mit allein 70.700 m² und ein noch besseres drittes Quartal mit 91.500 m² machten das gute Gesamtjahr möglich. Im Umkehrschluss heißt das, dass in den ersten beiden Quartalen 2016 "nur" rund 108.000 m² umgesetzt wurden.

Heuer nur 190.000 m² an Vermietungsleistung erwartet

Ein Jahr später wären die Wiener Büromakler froh, wenn sie doch nur wieder das Vorjahresniveau erreicht hätten. Im ersten Halbjahr 2017 sah es aber gar nicht gut aus: Das Vienna Research Forum (VRF), eine gemeinsame Plattform der größten Gewerbemakler Wiens, berichtete kürzlich von einer Vermietungsleistung von nur 54.600 m² von Jänner bis Juni 2017. Für das Gesamtjahr hat Alexander Fenzl, Prokurist und Leiter des gewerblichen Maklerteams bei Otto Immobilien, deshalb die Erwartungen schon kräftig nach unten geschraubt: Statt 240.000 Quadratmetern wie noch im Mai werden nun nur rund 190.000 m² heuer erwartet.

Allerdings sind Prognosen für das zweite Halbjahr heuer besonders schwierig. Zum einen könne die Vermietungsleistung "aufgrund einiger Großvermietungen, wie zum Beispiel der EMA, noch deutlich schwanken", so Fenzl. Drei Objekte (siehe Artikel) rittern noch um die Ansiedlung der EU-Arzneimittelbehörde, die auf einen Schlag für Wiens Büromarkt einen Flächenumsatz von rund 26.000 m² bedeuten würde.

Unsicherheitsfaktor Wahl

Zum anderen sorgt die Nationalratswahl am 15. Oktober dafür, dass zumindest der öffentliche Sektor im zweiten Halbjahr wohl nicht mehr allzu aktiv nachfragen wird; das erwarten sowohl Fenzl als auch EHL-Büromarktexperte Stefan Wernhart. Letzterer meint, dass sich die Nachfrage aus dem öffentlichen Sektor wohl um etwa ein Drittel unter dem Vorjahreswert einpendeln werde. Fenzl erwartet, dass bereits beschlossene Anmietungen zwar noch durchgezogen werden, noch nicht finalisierte Verträge aber erst nach der Bildung einer neuen Bundesregierung – und damit realistischerweise wohl erst im nächsten Jahr – unterzeichnet werden.

Laut einer Erhebung von Otto Immobilien für den STANDARD schwankten die Anmietungen des öffentlichen Sektors in den letzten zehn Jahren zwischen acht Prozent (2009) und 37 Prozent (2014) der gesamten Vermietungsleistung am Wiener Büromarkt. Im Vorjahr waren es 18 Prozent. In absoluten Zahlen war 2007 das stärkste Jahr, damals mieteten Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Bereichs insgesamt 145.700 m² an, gefolgt von 124.200 in 2012.

2017 wird hinter 2016 zurückbleiben

Was den gesamten Büromarkt betrifft, erwartet man bei EHL für heuer zumindest noch ein stärkeres zweites Halbjahr als das erste, eine genauere Prognose gibt man nicht ab. Nur so viel: Das Jahr 2016 werde wohl kaum noch übertroffen werden.

Grundsätzlich sei die Stimmung am Markt aber gut, betont Fenzl. Auch das wirtschaftliche Umfeld sei stabil. Unverändert blieben zuletzt sowohl die Spitzenmiete (25,75 Euro/m²) als auch die Durchschnittsmiete (13,75 Euro/m²). Die Leerstandsquote beim modernen Bürobestand (nach VRF-Kriterien) hat sich hingegen von April bis Juni im Vergleich zum ersten Quartal von 5,5 auf 5,6 Prozent leicht erhöht, bis Jahresende erwartet Fenzl aufgrund des hohen Fertigstellungsvolumens eine Steigerung auf bis zu sechs Prozent. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Quote bei sieben Prozent. (Martin Putschögl, 5.8.2017)

  • Die EMA zeigte sich offenbar am Neubauprojekt "Vie" der CA Immo an der Erdberger Lände, und insbesondere auch am nebenan gelegenen Bestandsobjekt in der Haidingergasse (Bild) sehr interessiert.
    foto: ca immo

    Die EMA zeigte sich offenbar am Neubauprojekt "Vie" der CA Immo an der Erdberger Lände, und insbesondere auch am nebenan gelegenen Bestandsobjekt in der Haidingergasse (Bild) sehr interessiert.

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