Ungemach bei Andritz: Nach Prognosesenkung droht Verwaltungsstrafe

4. August 2017, 09:54
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Grazer Anlagenbauer erwartet heuer Umsatzrückgang – Aktie bricht zweistellig ein

Düsseldorf – Der österreichische Anlagenbauer Andritz hat nach einem Umsatzrückgang im zweiten Quartal seine Prognose für die Erlöse heruntergeschraubt. Das Traditionsunternehmen aus Graz erwarte nun einen leicht rückläufigen Umsatz gegenüber 2016, teilte Andritz am Freitag mit. Vorstandschef Wolfgang Leitner hatte zuvor einen "zumindest gleichbleibenden Umsatz" prognostiziert. Die Ebitda-Marge solle 2017 unverändert das Niveau des Vorjahres erreichen.

Der Umsatz schrumpfte im zweiten Quartal vor allem wegen rückläufiger Geschäfte mit Ausrüstungen für Wasserkraftwerke sowie Technologien für die Zellstoff- und Papierproduktion um 5,6 Prozent auf 1,39 Milliarden Euro. Analysten hatten hier mit 1,469 Milliarden Euro gerechnet. Auch der Auftragseingang ging um 8,2 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte indes auf 109,9 (Vorjahr: 99,1) Millionen Euro zu, unter dem Strich blieben nach Anteilen Dritter 67,8 (67,7) Millionen Euro – etwas mehr als Analysten erwartet hatten.

Die Aktie brach im frühen Handel an der Wiener Börse zwischenzeitlich um mehr als elf Prozent ein und notierten damit so tief wie zuletzt Mitte August 2016.

Verwaltungsstrafte in Österreich droht

Zudem droht dem vierköpfigen Vorstand des steirischen Maschinenbauers eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 22 Mio. Euro wegen Arbeitsrechtsvergehen. Andritz-Chef und -Miteigentümer Wolfgang Leitner kritisiert gegenüber dem "Ö1"-Mittagsjournal die Mehrfachbestrafung für ein und dieselbe strittige Causa.

Im März 2014 beschädigte eine Explosion im Zellstoffwerk Pöls einen Laugenkessel. Den Zuschlag für die Erneuerung erhielt Andritz, der Auftragswert belief sich auf 7 Mio. Euro. Der Konzern engagierte für den Auftrag rund 200 Arbeitskräfte einer Montagegesellschaft aus Kroatien. Ende 2016 erhielten die vier Andritz-Vorstände eine Verwaltungsstrafe wegen Verstoßes gegen das Arbeitsvertragsrechtsanpassungsgesetz und gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz. Für Andritz sei die Montage eine übliche Vergabe gewesen; gewertet worden sei die Beschäftigung hingegen als Überlassung der Arbeitskräfte, so Leitner gegenüber "Ö1".

Pro Monteur beträgt die Strafe 12.000 Euro. Zwei Vergehen verdoppeln das Strafmaß – macht in Summe 22 Millionen Euro. Andritz berief gegen den Bescheid. Die Mehrfachbestrafung wird von Unternehmen seit langem kritisiert. In ihrem überarbeiteten Arbeitsprogramm Ende Jänner 2017 hatte die Bundesregierung die Sozialpartner beauftragt, bis 30. Juni eine Lösung zur Abschaffung der Mehrfachbestrafung (Kumulationsprinzip) im Verwaltungsstrafrecht auszuarbeiten. Die vorgezogenen Neuwahlen Mitte Oktober werden nun wohl eine Einigung verhindern. (APA, Reuters, red, 4.8.2017)

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