Weniger Gewinn: Erste Group leidet unter Niedrigzins

4. August 2017, 08:02
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Betriebsergebnis sank im Halbjahr um 3,5 Prozent – Jahresprognose bestätigt

Wien/Frankfurt – Die Gewinne des österreichischen Bankhauses Erste Group sind dank höherer Provisionseinnahmen und des weiteren Rückgangs fauler Kredite weniger stark gefallen als erwartet. Wie das Institut am Freitag in Wien mitteilte, lag der Gewinn im zweiten Quartal unter dem Strich bei 362,5 Millionen Euro. Analysten hatten mit 349 Millionen gerechnet, vor allem wegen der extrem niedrigen Zinsen. Das Zinsergebnis, also die Differenz zwischen eingenommenen und ausbezahlten Zinsen, fiel im Jahresvergleich entsprechend von 1,1 auf 1,09 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Verkauf eines Anteils am Kreditkartenanbieter Visa Europe den Gewinn der Bank auf 567 Millionen Euro aufgebläht.

Fortschritte machte die Erste beim Abbau fauler Kredite. Dies ist der besseren wirtschaftlichen Entwicklung in vielen Ländern in Zentral- und Osteuropa zu verdanken, in denen das Geldhaus aktiv ist. Vorstandschef Andreas Treichl nannte bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse auch bessere Geschäfte im Handel mit Wertpapieren und in der Vermögensverwaltung als Gründe für den relativ niedrig ausgefallenen Gewinnrückgang.

Zufrieden mit Geschäftsverlauf

Treichl äußerte sich zufrieden mit dem Geschäftsverlauf: "Unsere Kapitalisierung ist mit einer harten Kernkapitalquote (CET 1) von 12,8 Prozent sehr solide. Darüber hinaus verbessert sich die Kreditqualität kontinuierlich und unsere Risikovorsorge bleibt auf einem niedrigen Niveau. Der Anteil notleidender Kredite ist das 14. Quartal in Folge auf nunmehr 4,7 Prozent gesunken."

Seine Prognose für die Eigenkapitalrendite bekräftigte Treichl: sie soll im Gesamtjahr bei mehr als zehn Prozent liegen. Im ersten Halbjahr lag die Eigenkapitalrendite bei 11,2 Prozent. Das Bankhaus erwartet in den restlichen Monaten des Jahres "bestenfalls stabile Einnahmen" und einen Anstieg der Kosten von ein bis zwei Prozent. Treichl hält dennoch an seinem Plan fest, den Aktionären für dieses Jahr eine höhere Dividende zu zahlen als für 2016. Für das vergangene Geschäftsjahr hatten die Eigner einen Euro je Anteilsschein bekommen. An der Wiener Börse legte die Aktie um knapp ein Prozent zu. (Reuters, 4.8.2017)

  • Der Erste Group setzt das tiefe Zinsniveau zu.
    foto: heinz-peter bader

    Der Erste Group setzt das tiefe Zinsniveau zu.

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