Korruption in Brasiliens Politik: Realitätsverweigerung

Kommentar3. August 2017, 17:28
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Die Regierung Temer hat das weltweit fünftgrößte Land in eine Bananenrepublik verwandelt

Wenn in Brasilien sogar die abendliche Telenovela gestrichen wird, muss etwas Wichtiges passiert sein. Dieses Mal ersetzte die Liveübertragung einer politischen Tragödie die beliebte Seifenoper. Das Abgeordnetenhaus hatte zu entscheiden, ob gegen Präsident Michel Temer weiter wegen Korruptionsvorwürfen ermitteln werden solle. Er soll Schmiergeld in Millionenhöhe für seine Partei PMDB angenommen haben.

Das Votum in der Bevölkerung ist eindeutig: 80 Prozent der Brasilianer sind für Ermittlungen. Für die Abgeordneten aber hat der Wählerwille offenbar wenig Wert. Sie ließen sich ihr Abstimmungsverhalten mit millionenschweren geldwerten Geschenken bezahlen. Einmal mehr wird deutlich, wie hemmungslos sich Brasiliens Politik nur noch um sich selbst dreht – weit weg von den Bedürfnissen des Landes und der Menschen.

Die Regierung Temer hat das weltweit fünftgrößte Land in eine Bananenrepublik verwandelt, in der Intrigen und Stimmenkauf nicht einmal mehr vertuscht werden. Selbst in Zeiten rigider Sparprogramme, in denen Millionen Brasilianer wieder in die Armut rutschen, bleibt Geld für teure Steuergeschenke und Gefälligkeiten. Ein Präsident, der nicht mehr zum Wohl seines Volkes, sondern nur noch für sein eigenes agiert, gehört in einer Demokratie abgesetzt. Doch Temer klammert sich an sein Amt, und das Parlament unterstützt ihn dabei aus eigenem Vorteilsdenken. (Susann Kreutzmann, 3.8.2017)

Weitere Kommentare von Susann Kreutzmann lesen sie hier.

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