Festnahmen von Journalisten haben sich laut Bericht vervierfacht

    3. August 2017, 17:33
    33 Postings

    Ein neuer Bericht eines Projekts der EU-Kommission legt nahe, dass sich Journalisten auch in Europa immer weiter unter Druck befinden

    Wien – Die Lage für Journalisten in Europa und seinen Nachbarländern hat sich seit letztem Jahr verschlechtert. Das legt ein Bericht von "Mapping Media Pressure" nahe. Im ersten Quartal des Jahres 2017 soll es zu zahlreichen Verletzungen der Grundrechte von Journalisten gekommen sein.

    Hannah Machlin, Projektmanagerin von Mapping Media, wird zitiert: "Manche europäische Regierungen haben sich klar in den Medienpluralismus eingemischt, andere haben Journalisten festgenommen, belästigt oder bedroht."

    Psychische Gewalt, sexuelle Belästigung und Cybermobbing

    171 Journalisten wurden im ersten Quartal 2017 in Europa und seinen Nachbarländern festgenommen. Vor allem die Entwicklungen in der Türkei und in Weißrussland werden als bedenklich eingestuft, wo 96 Journalisten und Blogger festgenommen wurden. In Weißrussland sei die hohe Zahl zum Großteil auf die Berichterstattung über eine Demonstration gegen eine neue Steuer für Arbeitslose zurückzuführen.

    Der Bericht erfasst psychische Gewalt, sexuelle Belästigung, Trolling und Cybermobbing als Formen der Einschüchterung. Vor allem Länder mit einer eigentlich positiven Einschätzung von Pressefreiheit wie Schweden oder Frankreich seien betroffen. In Schweden sollen besonders rechtsextreme Gruppen Journalisten auf diese Weise attackieren.

    114 Journalisten sollen wegen politischer Entscheidungen ihren Job verloren haben. Insgesamt würde sich die Lage für Journalisten in den von dem Projekt erfassten Ländern stark verschlechtert haben. (muz, 3.8.2017)

    Mapping Media Pressure ist ein Projekt, das unter anderem von der EU-Kommission gegründet wurde, um Gefahren für Journalisten in der EU-Zone und Nachbarländern aufzuzeigen. Die Daten werden durch Crowdsourcing mit Journalistennetzwerken gesammelt und aufbereitet. Jede Meldung wird einem Fact-Checking durch lokale Quellen unterzogen, bevor sie in dem Bericht aufgenommen wird.

    Link

    Bericht auf Website des Projekts

    Update (4.8., 13.00 Uhr):

    In einer früheren Version des Artikels wurde fälschlicherweise behauptet, dass bei einer Demonstration in Zypern Journalisten und Blogger festgenommen worden seien; tatsächlich fand die Demonstration in Weißrussland statt. Wir bitten um Entschuldigung für den Fehler. (red)

    • Vor allem die Entwicklungen in der Türkei und in Zypern stuft der Bericht als bedenklich ein.
      foto: apa/afp/ozan kose

      Vor allem die Entwicklungen in der Türkei und in Zypern stuft der Bericht als bedenklich ein.

    Share if you care.