EU-Volksbegehren: Kakanien als Menetekel

Kommentar3. August 2017, 15:58
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Eine ernsthafte Volksgruppenförderung wäre ein Gegengift zur aktuellen Tendenz der Renationalisierung

Europas Volksgruppen haben begonnen, Unterschriften für einen verstärkten Minderheitenschutz in der EU zu sammeln. Dieser soll, stärker als bisher, europäisiert werden. Aus auch ausdrücklich europäischem Eigennutz: Die Nationalitäten seien, sagen die Betreiber der europaweiten Bürgerinitiative Minority Safepack, wie Kitt zwischen den Nationen.

Ein fraglos schöner Gedanke. Europa ist ja tatsächlich nicht gleich unmittelbar etwas, sondern bloß das Konglomerat seiner unterschiedlichsten Völker mit ihren sehr unterschiedlichen Sprachen und recht unterschiedlichen Gebräuchen. Der Wahlspruch der EU lautet nicht umsonst "In varietate concordia". In der Vielheit die Einheit.

Angesichts der aktuellen Lage klingt das Motto freilich schon mehr nach Stoßgebet. Den historisch Sensiblen mag es an den alten Wiener Kaiser erinnern, der seine Regentschaft bekanntlich unter die Zauberformel "Viribus unitis" gestellt hat – mit vereinten Kräften. Das Gegenteil war dann der Fall. Und Kakanien darf man in Europa durchaus auch als Menetekel nehmen.

Eine ernsthafte Volksgruppenförderung wäre da auch ein Gegengift zur aktuellen Tendenz der Renationalisierung, unter der nicht nur die jeweiligen, zunehmend drangsalierten Minderheiten leiden. Deshalb ist diese europäische Bürgerinitiative ein wohl zentrales Thema auch für die jeweiligen Mehrheitsbevölkerungen. (Wolfgang Weisgram, 3.8.2017)

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