Antibiotikum als möglicher Schutzschild gegen MS

    3. August 2017, 13:05
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    Minocyclin verzögert möglicherweise den Ausbruch von Multipler Sklerose. Allerdings ist der Nutzen des Medikaments noch nicht hinreichend geklärt

    Die Ergebnisse einer im "New England Journal of Medicine" publizierten Studie waren vielversprechend: Demnach erkrankten Menschen, denen das Antibiotikum Minocyclin nach dem ersten Auftreten möglicher MS-Symptome verabreicht wurde, deutlich weniger häufig an Multipler Sklerose als Patienten, die ein Placebo erhielten. Konkret konnte das relative Erkrankungsrisiko um 50 Prozent gesenkt werden. Nach 24 Monaten war der Schutzeffekt des Antibiotikums allerdings nicht mehr nachweisbar.

    "Die kanadische Phase-2-Studie bestätigt vorangegangene Untersuchungen, wonach Minocyclin die Entzündungsaktivität bei Multipler Sklerose womöglich hemmt. Für eine endgültige Aussage ist es aber noch zu früh", kommentiert die deutsche Neuroimmunologin Tania Kümpfel die Ergebnisse der Studie. "Der Nutzen von Minocyclin bei MS sei zurzeit noch nicht hinreichend belegt, um den Einsatz zu empfehlen", betont auch Reinhard Hohlfeld von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

    Der Vorteil des Antibiotikums: Minocyclin kombiniert antientzündliche und neuro-protektive Wirkungen. Zudem ist es durch seine einfache orale Anwendung und des relativ niedrigen Preises attraktiv.

    Antibiotikum versus Placebo

    In der kürzlich veröffentlichten Studie ermittelten Forscher das Risiko, dass sich ein sogenanntes "Klinisch Isoliertes Syndrom" (KIS) zu Multipler Sklerose entwickelt. Unter KIS verstehen Mediziner erste neurologische Symptome, die durch Entzündungen und Myelinverlust an einer oder mehreren Stellen in Gehirn und Rückenmark charakterisiert sind. Betroffene können MS entwickeln, das ist allerdings nicht zwingend der Fall.

    In die Studie wurden 142 Patienten inkludiert, die innerhalb der vorausgegangenen 180 Tage ein erstes, auf eine MS hindeutendes demyelinisierendes Ereignis erlitten hatten. 72 Studienteilnehmer erhielten Minocyclin, 70 Probanden ein Placebo. Die verblindete Therapie wurde entweder bis zur Diagnose von MS oder bis zum Zeitpunkt von 24 Monaten nach Studienbeginn fortgeführt.

    Das Ergebnis: Das Risiko, dass sich KIS innerhalb von sechs Monaten zu einer MS entwickelte, war in der Minocyclin-Gruppe mit 33 Prozent signifikant geringer als in der Placebogruppe (61,0 Prozent). Auch fielen sämtliche MRT-Parameter in der Minocyclin-Gruppe besser aus als in der Placebogruppe. Nach 24 Monaten ließ sich jedoch kein signifikanter Unterschied mehr feststellen.

    Kritik an Studie

    Die Studie habe erhebliche Schwächen, betonen MS-Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. So könnte etwa die geringe Anzahl von Probanden dafür verantwortlich sein, warum die nach sechs Monaten beobachteten positiven Effekte nach 24 Monaten nicht mehr signifikant waren.

    Ein weiterer Kritikpunkt: Der Zeitraum von sechs Monaten bis zum Erreichen des primären Endpunktes – also der Übergang von KIS zu einer manifesten MS – sei im Vergleich zu anderen Studien sehr kurz. Es brauche daher größere und längere klinischen Studien, lautet das Fazit der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. (red, 3.8.2017)

    • Bei MS werden Nervenzellen zerstört. Die Ursachen dafür sind noch unklar.
      foto: getty images/istockphoto

      Bei MS werden Nervenzellen zerstört. Die Ursachen dafür sind noch unklar.

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