Siemens bremst bei Fusion des Bahngeschäfts

3. August 2017, 18:28
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Kaeser: "Würde nicht darauf wetten, dass es schnell geht" – Bombardier blieb ungenannt

München – Siemens-Vorstandschef Josef (Joe) Kaeser hat die Erwartungen an eine rasche Fusion der Eisenbahnsparte mit einem Konkurrenten gebremst. "Natürlich wird man eine starke Nummer zwei bauen müssen", sagte Kaeser in einer Telefonkonferenz am Donnerstag. Die Branche müsse darauf reagieren, dass – fast unbemerkt von den Wettbewerbsbehörden – in China durch die Fusion der Nummer eins und zwei der Weltmarktführer CRRC entstanden sei.

"Aber ich würde nicht darauf wetten, dass es schnell geht," sagte Kaeser. Das Geschäft von Siemens in dem Bereich sei "in gutem Zustand".

Den Namen des kanadischen Rivalen Bombardier, mit dem Siemens Insidern zufolge über eine Zusammenlegung des Zug- und des Signaltechnikgeschäfts spricht, erwähnte Kaeser nicht. Die Gründung zweier Gemeinschaftsunternehmen zwischen Siemens und Bombardier sollte am Mittwoch Thema im Siemens-Aufsichtsrat sein, wie mehrere Insider vorher gesagt hatten. Sitz beider Joint Ventures solle Berlin sein. Eine Entscheidung sei aber vertagt worden, sagte einer von ihnen.

Bombardier hatte im Juni eine Neuordnung seiner deutschen Standorte beschlossen. Im Zuge dessen sollen bis 2020 bis zu 2200 der 8500 Stellen wegfallen. Siemens geht es in der vergleichbaren Sparte besser. In Österreich wären bei Siemens und Bombardier je 1000 Jobs in Graz und Wien von der Fusion betroffen.

Gas gibt Kaeser, dessen Vertrag um zweieinhalb Jahre verlängert wurde, bei einem anderen Vorhaben: Bis Mitte 2018 soll die Medizintechnik an die Börse. Mit dem erwarteten Milliardenerlös sollen nicht nur Zukäufe finanziert werden, sagte der zuständige Vorstand Michael Sen. Die auf den Namen "Healthineers" getaufte Sparte brauche auch Flexibilität für die Expansion. "Es gibt so viele Optionen, das Geschäft auszubauen und zu stärken." Im dritten Quartal steuerte Healthineers erneut den größten Teil zum Konzerngewinn bei.

Der Nachsteuergewinn des Siemens-Konzerns ist im dritten Quartal 2017 um sieben Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Analysten und Anleger hatten mehr erwartet. (Reuters, red, 3.8.2017)

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