Vierte Hitzewelle trifft Landwirtschaft: Ernte fällt aus, Fische sterben

3. August 2017, 09:42
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Temperaturen über 30 Grad setzen neben Pflanzen auch Tieren zu. Lediglich der Wein könnte von der Hitze profitieren

Wien – Stefan Zoubek ist einer jener heimischen Landwirte, die mit den Folgen der anhaltenden Hitze und Dürre kämpfen: "Das Wasser wird knapp, der Grundwasserspiegel geht zurück", sagt der Bauer, der im Marchfeld Wurzel- und Knollengemüse anbaut. "Das Gemüse befindet sich in einer Schockstarre", sagt Zoubek – die Pflanzen setzen vorübergehend ihr Wachstum aus. Selbst wärmeliebende Pflanzen wie Kürbisse würden unter der ungewöhnlich langen Hitzewelle leiden.

Der Landwirt ist einer von vielen österreichischen Bauern, die von den Auswirkungen des Klimawandels eingeholt werden. Während der Spätfrost im Frühjahr vor allem dem Apfelbestand stark zugesetzte, trifft die mittlerweile vierte Hitzewelle und die damit einhergehende Trockenheit Getreidepflanzen und Nutztiere. Zoubek bleibt optimistisch, er befürchtet keine großen Ertragseinbußen. Die Qualität seiner Produkte würde jedoch bereits jetzt unter den hohen Temperaturen leiden und die Ernte verzögern.

Hohe Getreideeinbußen

Anders sieht die Situation bei österreichischen Getreidebauern aus. Besonders Regionen nördlich der Alpen wären stark von der Dürre betroffen, sagt Adolf Marksteiner von der Landwirtschaftskammer dem STANDARD.

Heuer rechnet die Landwirtschaftskammer mit Getreideeinbußen von 20 bis 25 Prozent im Vergleich zu einem Durchschnittsjahr. Auch bei Grünland soll es aufgrund der Trockenheit zu einem Ernteminus von bis 40 Prozent kommen.

100 Millionen Euro Schaden

"Das Wetter neigt immer mehr zu Extremen", sagt ein Sprecher der Österreichischen Hagelversicherung. Sie geht davon aus, dass 2017 allein durch die anhaltende Dürre ein Gesamtschaden von 100 Millionen Euro entstehen wird.

"Die Zahl der Hitzetage nimmt zu, die Erntemengen schwanken stark", sagt Marksteiner. Eine ausreichende Wasserversorgung würde deshalb mehr denn je zur Existenzfrage in der Landwirtschaft werden: "Ohne Bewässerung wird es keinen Obst- und Gemüsebau mehr geben."

Ein neuer Kanal

Um Regionen im Marchfeld künftig besser mit Wasser zu versorgen und Ernteerträge zu sichern, will die Landwirtschaftskammer der Donau Wasser entnehmen und Obst- und Gemüsefeldern zuführen. Die Idee ist nicht neu: Eine solche Anlage – der Marchfeldkanal – bewässert bereits seit 1992 Felder in der Region. Das Vorhaben, das rund eine Milliarde Euro kosten würde, muss jedoch erst auf seine Umsetzbarkeit geprüft werden.

Von der schlechten Getreideernte sind letztlich auch Viehbauern betroffen, die auf Futtermittel angewiesen sind. Ein Drittel des Futters sei laut Marksteiner zwar noch in Form von Mais auf den Feldern, die Ernte der normalerweise hitzetoleranten Pflanze würde heuer jedoch "signifikant geringer" ausfallen.

Auch Tiere selbst leiden häufig unter den hohen Temperaturen. Milchkühe, die rund 100 Liter Wasser am Tag benötigen, würden aufgrund der Hitze bereits jetzt etwas weniger Milch geben, heißt es in der Landwirtschaftskammer.

1.500 tote Fische

Auch im heimischen Fischbestand zeigen sich erste Auswirkungen der steigenden Temperaturen. 1.500 Fische verendeten allein am vergangenen Wochenende in der Klosterneuburger Au aufgrund der hohen Temperaturen und dem damit einhergehenden Sauerstoffmangel im Wasser, erklärt Gregor Gravogl, Geschäftsführer des niederösterreichischen Landesfischereiverbands. "So gravierend ist das Phänomen erstmals vor zwei Jahren aufgetreten", sagt Gravogl. Heuer sei der Verband seit Anfang Juli "fast täglich im Einsatz".

Winzer Christof Höpler ist einer der Wenigen, der den hohen Temperaturen auch etwas Positives abgewinnen kann: "So ein Jahr ist für manche Sorten förderlich", sagt Höpler. Für Wein sei die Dürre nicht so schlecht, lediglich Junganlagen würden unter der Trockenheit leiden.

Weniger Pilzbefall

Die Hitze verhindere außerdem Pilzbefall und somit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dadurch könnte der heurige Wein "ein guter Jahrgang" werden, sagt auch Marksteiner.

In Zukunft müsse man sich aber auch im Weinbau mit den steigenden Temperaturen arrangieren, und etwa Hanglagen verändern, sagt der Winzer. Auch die Arbeitsbedingungen für Erntehelfer würden sich bei Temperaturen über 30 Grad verschlechtern und Weinbauern vor neue Herausforderungen stellen.

Für Höpler war der späte Frost jedoch eine größere Herausforderung als die Hitzewellen: "Heuer sind wir noch mit einem hellblauen Auge davongekommen", sagt der Winzer, 2016 kam es zu einem Ernteausfall von 35 Prozent. (Nora Laufer, 3.8.2017)

  • In vielen Regionen Österreichs setzen Maispflanzen aufgrund der Hitze ihr Wachstum aus und sind kleiner als üblich.
    foto: apa/dpa-zentralbild/patrick pleul

    In vielen Regionen Österreichs setzen Maispflanzen aufgrund der Hitze ihr Wachstum aus und sind kleiner als üblich.

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