Rom will Golden Share bei Telecom Italia nutzen

    2. August 2017, 18:13
    1 Posting

    Zum Schutz strategischer Interessen gegen Vivendis zunehmendem Einfluss bei Telekom-Gesellschaft

    Die italienische Regierung prüft die Möglichkeit bei der Telecom Italia ihre "Golden Share" zu nutzen. Das Kabinett will prüfen, ob die Führungsposition des französischen Medienkonzerns Vivendi bei der Telecom Italia eine negative Auswirkung auf ein für Italien strategisches Unternehmen haben könnte, verlautete es in Rom am Mittwoch.

    Vivendi größter Anteilseigner

    Vivendi ist mit 24 Prozent der größte Anteilseigner von Telecom Italia. Dort war am Freitag der Vivendi-Manager Amos Genish zum Generalmanager für das operative Geschäft eingesetzt worden. Vivendi baute damit seine Kontrolle über die größte italienische Telefongesellschaft aus. Derzeit kann das italienische Schatzministerium sein Vetorecht bei den halbstaatlichen Unternehmen Eni, Enel, Telecom Italia und Finmeccanica ausüben, die für Italien als strategisch gelten.

    Der Schritt der italienischen Regierung gilt als Reaktion auf den Beschluss der französischen Regierung, im Streit mit Italien vorübergehend den Schiffsbauer STX France zu verstaatlichen. Es gehe um den Schutz von Frankreichs "strategischen Interessen", sagte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire. Die italienische und die französische Regierung haben sich am Dienstag darauf geeinigt, bis zum 27. September eine Lösung im Streit um die Passagier- und Militärschiff-Werft zu finden.

    Länger anhaltender Streit

    Der Streit um STX France schwelt schon seit geraumer Zeit: Der hoch verschuldete südkoreanische Konzern STX Offshore and Shipbuilding muss seinen Mehrheitsanteil an den profitablen Werften im westfranzösischen Saint-Nazaire an der Loire-Mündung verkaufen. Einziger Kaufinteressent ist der italienische Schiffbauriese Fincantieri. Laut einer ursprünglichen Vereinbarung sollte Fincantieri künftig 48 Prozent der Anteile halten, der italienische Investor Fondazione CR Trieste weitere sieben Prozent. Damit wären künftig 45 Prozent der Aktien in französischer Hand.

    Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron forderte Ende Mai aber eine Neuverhandlung. Die französische Regierung will, dass die Aktien zu gleichen Teilen zwischen Fincantieri und französischen Aktionären – darunter der französische Staat – aufgeteilt werden. Die italienische Regierung hat dieser Forderung aber eine Absage erteilt. Mit einer vorübergehenden Verstaatlichung der Werften vergangene Woche will Paris den Druck auf die Italiener erhöhen. (APA, 2.8.2017)

    Share if you care.