ÖAAB probt als Erster den Aufstand gegen Kurz-Allmacht

    2. August 2017, 18:36
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    In der Tiroler Volkspartei rumort es, der AAB sieht sich gegenüber Bauern- und Wirtschaftsbund im Nachteil. ÖVP-Kandidaten müssen eine Verzichtserklärung abgeben

    Wien/Innsbruck/Graz – Der Tiroler Arbeitnehmerbund begehrt als erster ÖVP-Flügel offen gegen die Machtkonzentration bei Parteichef Sebastian Kurz auf. Nach der Präsentation der verunglückten Stabhochspringerin Kira Grünberg als Tiroler Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl zogen drei AAB-Frauen ihre Kandidatur zurück.

    "Das hat aber nur bedingt mit Grünberg zu tun", sagt die Tiroler AAB-Obfrau und Bildungslandesrätin Beate Palfrader am Mittwoch zum STANDARD. Vielmehr fühle man sich als wichtigster Bund nicht entsprechend auf der Wahlliste vertreten: "Wir wollen das Gleiche, was auch die anderen Bünde erhalten." Immerhin vertrete der AAB zwei Drittel der ÖVP-Wähler. "Dem Bauern- und dem Wirtschaftsbund werden sehr wohl bündisches Denken zugestanden", verweist Palfrader auf die Listenerstellung. Ob dies nicht genau jenes Denken sei, das Kurz mit der angekündigten Entmachtung der Bünde in der ÖVP eliminieren wolle? "Niemand wird entmachtet", erklärt Palfrader und bremst ihren Parteiobmann im Nachsatz ein: "Die Bünde sind über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, die nicht über Nacht aufgelassen werden können."

    Der Tag nach der Wahl

    Trotz der durch Umfragen ausgelösten Euphorie tauchen auch erste Skeptiker auf: "Für den Sebastian ist nicht der Wahlkampf das Wichtigste, den er hoffentlich gewinnen wird, sondern der Tag nach der Wahl. Wenn er dort nicht mit den Einflüssen des ÖAAB, des Wirtschafts- und des Bauernbundes abfährt, hat er schon wieder alles verloren. Die sitzen jetzt doch alle erste Reihe fußfrei und schauen sich an, wie der Sebastian das macht, und nach der Wahl stehen sie mit ihren Forderungen wieder vor seiner Tür", sagt ein ÖVP-Insider.

    Bis zum Wahltag werden die Zügel in der Partei straff angezogen. Alles ist Sebastian Kurz und einer geschlossen auftretenden Partei untergeordnet. Die Kandidaten für den Wahlkampf müssen eine Verzichtserklärung für ihr eventuell errungenes Mandat unterschreiben, um Platz zu machen für jene, die sich mit Vorzugsstimmen nach vorn gearbeitet haben.

    Dass trotz straffer Organisation nicht alles friktionsfrei abgeht, zeigen die ersten Konflikte in Tirol, aber auch in Salzburg, wo eine ÖAAB-Politikerin gegen eine Repräsentantin des Wirtschaftsbundes das Nachsehen haben könnte. In der Steiermark ist ÖVP-Klubchef Reinhold Lopatka gezwungen, über den Vorzugsstimmenwahlkampf in der Oststeiermark wieder ins Parlament zu kommen.

    Auch Ex-Generalsekretär Werner Amon muss gegen lokale Aufsteiger in der Weststeiermark antreten. Als Landeslistenerste sind neben der angeblich von Kurz favorisierten Cattina Leitner die Hitzendorfer Bürgermeisterin Simone Schmiedtbauer und die vom Team Stronach zur ÖVP gewechselte Kathrin Nachbaur im Gerede. (Walter Müller, Steffen Arora, 2.8.2017)

    • Die Tiroler AAB-Obfrau und Bildungslandesrätin Beate Palfrader sieht ihren Bund untervorteilt.
      foto: land tirol / aichner

      Die Tiroler AAB-Obfrau und Bildungslandesrätin Beate Palfrader sieht ihren Bund untervorteilt.

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