Die einmalige Chance der ÖFB-Frauen

2. August 2017, 21:59
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Österreich sieht sich auch heute im EM-Halbfinale als Außenseiter. Teamchef Dominik Thalhammer zeigt Respekt vor den Däninnen. "Aber wir wissen, dass wir bestehen können"

Es ist eine vielleicht einmalige Chance. Und diese Chance wollen Österreichs Fußballerinnen nutzen. Der Einzug ins Finale der Europameisterschaft ist nicht auszuschließen – und das bei der erstmaligen Endrundenteilnahme. In diesem Turnier ist aus österreichischer Sicht schon viel passiert, was nicht denkbar schien. "Wir sind unglaublich gut ins Turnier gestartet", sagte Teamchef Dominik Thalhammer. Und auf einmal habe alles funktioniert. "Es geht alles so dahin, und wir wissen gar nicht, warum." Kapitänin Viktoria Schnaderbeck: "Mit unserem Kampfgeist haben wir die EM gerockt."

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Mit dem Vorsatz, mindestens einen Punkt zu holen, war Österreich in die EM-Endrunde gestartet. Es wurden sieben Punkte in der Vorrunde, der Gruppensieg, danach der Viertelfinalerfolg gegen Spanien im Elfmeterschießen. Und jetzt das Halbfinale. Um 18 Uhr geht es heute im Rat-Verlegh-Stadion in Breda gegen Dänemark – ebenfalls ein Außenseiter. Wenngleich kein so großer wie Österreich.

Sechster Anlauf für Däninnen

Dänemarks Frauen stehen bereits zum sechsten Mal im Halbfinale einer EM-Endrunde. Das Endspiel haben sie noch nie erreicht. In den Niederlanden beendeten sie die Vorrundengruppe A auf Platz zwei hinter den Gastgeberinnen. Im Viertelfinale warfen sie überraschend Titelverteidiger Deutschland mit 2:1 aus dem Turnier. Star des von Nils Nielsen betreuten Teams ist Pernille Harder. Die 24-jährige Stürmerin, die bei diesem Turnier noch nicht getroffen hat, wechselte kürzlich zum amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg. Thalhammer: "Wenn wir Harder ausschalten, erhöht das unsere Chancen."

Der Finaleinzug wäre also für beide Teams eine Premiere. Ein Debütant hat es noch nie ins Endspiel einer Frauenfußball-EM geschafft. "Wir haben so viel erreicht, wir haben alle Ziele übertroffen", sagte Thalhammer. "Wir wissen, dass wir wahrscheinlich nicht noch einmal in unserem Fußballleben diese Chance haben werden." Und diese Chance will man nutzen.

Nummer 15 vs. Nummer 24

Dänemark liegt in der Weltrangliste auf Position 15, Österreich auf Platz 24. Trotz des bisher Erreichten sagte Kapitänin Schnaderbeck: "Das ändert nichts an unserer Rolle als Außenseiter." Vor vier Wochen hat Österreich in Wiener Neustadt Dänemark im letzten Test vor der Endrunde mit 4:2 besiegt. Thalhammer: "Dänemark wäre in der Form vom 6. Juli nicht ins Semifinale gekommen – Österreich aber auch nicht." Dieser Sieg gäbe Vertrauen, "mehr aber auch nicht".

Thalhammer stufte die Däninnen als spielstark ein. "Sie haben sehr gute Einzelspielerinnen. Unsere Aufgabe wird sein, deren Stärken zu neutralisieren." Natürlich will das ÖFB-Team an die bisher überzeugenden Leistungen in der Defensive anschließen. Im Vergleich zum Viertelfinalspiel will man zudem das Pressing verbessern. In der Offensive wird Lisa Makas fehlen. Die 25-Jährige hatte sich am Sonntag einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Statt ihr dürfte Nadine Prohaska in die Startelf rücken. "Ich bin bereit", sagte die 26-Jährige von SKN St. Pölten.

Thalhammer ließ sich diesbezüglich am Mittwoch nicht in die Karten blicken. "Prohaska ist eine Option, es gibt aber auch andere Optionen" Der Rest des Teams ist fit und sollte gut regeneriert sein. Im Training am Dienstag wurde entsprechend dosiert. Am Montag hatten die Spielerinnen einen freien Tag.

"Wir haben großen Respekt vor Dänemark", sagte Thalhammer, "aber wir wissen, dass wir gegen Dänemark bestehen können."(Birgit Riezinger aus Breda, 2.8.2017)

  • Teamchef Dominik Thalhammer hat Nadine Prohaska instruiert. Die 26-Jährige dürfte im Halbfinale für die verletzte Lisa Makas einspringen.
    foto: apa/ hans punz

    Teamchef Dominik Thalhammer hat Nadine Prohaska instruiert. Die 26-Jährige dürfte im Halbfinale für die verletzte Lisa Makas einspringen.

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