Wie Bankkunden das passende Konto finden

    6. August 2017, 12:00
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    Fixpaket oder individuelle Lösung? Bei Girokonten kann die Frage nicht klar beantwortet werden. Das eigene Nutzungsverhalten entscheidet

    Wien – Welches Konto passt zu mir? Egal, denn es gibt ohnehin keines, das mit attraktiven Zinsen lockt. Das ist eine mögliche Antwort. Bei der Suche nach dem passenden Konto ist aber die persönliche Nutzung der Schlüssel zum passenden Produkt. Und hier wird es oft auch schon kompliziert. Denn die Anzahl an Kontopaketen ist groß. Ob man sein Konto wenig oder viel nutzt, Zahlungen lieber online abwickelt oder in die Filiale geht – all das entscheidet über die Höhe der zu bezahlenden Kontogebühren. Und von denen gibt es genügend, wie ein Vergleich des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zeigt.

    Zusätzlich zu den Standardgebühren für Kontoführung und Buchungszeilen gibt es eine unterschiedliche Verrechnung für die Bankomatkarte. Wer mit der Karte mehr als 400 Euro abheben oder das Wochenlimit für Einkäufe auf 1100 Euro erhöhen will, wird dafür mit einer Gebühr belastet. Kosten für Buchungen wie Lastenschriften und Daueraufträge – also für jede Buchungszeile – sind ebenfalls zu bedenken.

    Schalter kostet

    Für Geschäfte, die am Schalter durchgeführt werden (bediente Buchungen), schlagen ebenfalls Gebühren zu Buche sowie bei der Nutzung diverser Automaten, etwa um Überweisungen zu tätigen oder Kontoauszüge zu drucken. Diese Gebühren werden als Entgelt für die Anschaffung und Wartung der Geräte eingehoben. Selbst für den Quartalsabschluss, bei dem die Bank die Gebühren verrechnet, werden die Kunden mit Kosten belastet. Deutlich zu spüren sind die Belastungen, wenn es um Mahnungen oder Zahlungserinnerungen geht.

    All diese Extras können den Preis für eine fixe Kontopaketlösung, die auf den ersten Blick günstig erscheint, noch einmal nach oben treiben. Zusätzlich enthalten Pauschalpakete auch oft Extras, die der Kunde gar nicht braucht. Etwa eine Clubmitgliedschaft oder eine Kreditkarte, die nicht benötigt wird. Im Gegenzug sind mit einer Pauschalgebühr oft nicht die gängigen Buchungsposten abgegolten. Daher ist hier die Frage nach der individuellen Nutzung wichtig, denn selbst innerhalb einer Bank können die Gebühren je nach Paket deutlich variieren, zeigt das VKI-Beispiel.

    Von online bis traditionell

    Für den Test wurde folgendes Profil gewählt: Ein Kunde braucht fünf monatliche Zahlungen für Strom, Miete und ähnliche Posten, dazu pro Monat ein bis zwei weitere Überweisungen, fünf bis sechs Einkäufe pro Woche – je nach Benutzertyp per Karte oder in bar. Dazu einmal monatlich Kontoauszüge per Onlinebanking oder im Selbstbedienungsfoyer ausgedruckt. Die Preise für Kontopakete variieren stark, wenn die Nutzer in "online" (braucht keine Bankfiliale) und "traditionell" (bevorzugt Rechnungen und Zahlscheine vor Lastenschriften und setzt auf Bargeldzahlungen) eingeteilt werden. Von 89,28 bis 181,68 Euro reicht hier die Preisspanne – und zwar innerhalb eines Instituts (siehe Grafik). Selbst der Vergleich dieser wenigen Kontopakete macht deutlich, wie unterschiedlich hoch die Kosten sein können.

    Sich hier einen guten Überblick zu verschaffen kann echt lohnen. Denn praktisch alle Banken haben laut dem VKI-Test die Extragebühren für sich entdeckt, "mit denen sich kreativ und letztlich auch intransparent die Preise gestalten lassen", heißt es in dem Test. Die Darstellung und Transparenz dieser Gebühren ist von Bank zu Bank auch sehr unterschiedlich.

    Als überraschend stuft der VKI die Ergebnisse beim Pay4use-Konto der Austrian Anadi Bank ein: Es wurde erwartet, dass sich dieses Konto besonders für jemanden rechnet, der viel selbst über Onlinebanking erledigt. Tatsächlich spielte die absolute Zahl an Buchungen die gewichtigere Rolle, und so fielen die Jahresgebühren für den traditionellen Nutzer mit rund 159 Euro weitaus geringer aus als die 213 Euro für Onlinebanker. (Bettina Pfluger, 6.8.2017)

    • Um das passende Girokonto zu finden, muss man viel rechnen.
      foto: apa/dpa/karl-josef hildenbrand

      Um das passende Girokonto zu finden, muss man viel rechnen.

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