Teamgeist: Wie ein ORF-Chef die Kurve kriegt

2. August 2017, 14:34
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Win by Changing The Team: Alexander Wrabetz hat schon gezeigt, wie er mit sehr unterschiedlichen Fraktionen zurechtkommt

Wien – Die nötige Mehrheit zur Abwahl im Stiftungsrat hin, neues Gesetz her: ORF-General Alexander Wrabetz wurde schon mit Freiheitlichen und gegen die Volkspartei in einer Regierungskoalition 2006 ORF-General. Er überstand die ernsthaften Versuche der SPÖ Werner Faymanns, ihn abzusetzen. Nicht gänzlich unwahrscheinlich, dass Wrabetz auch in einer ÖVP-FPÖ-Regierung weitermacht oder auch einer rotblauen oder blauroten Koalition.

Bewährt hat sich (nicht nur in den ersten zwei Funktionsperioden Wrabetz, aber auch dort): das passende Team.

  • 2006, als noch das BZÖ Regierungspartei war, gelang Wrabetz die Generalswahl mit einem Team von gleich drei den Orangen zuzurechnenden ORF-Direktoren.
  • 2009 versuchte er die anhaltend angriffige ÖVP mit Richard Grasl als eingewechseltem Finanzdirektor zu versöhnen (was nur phasenweise gelang).
  • 2010 versuchte Wrabetz die Faymann-SPÖ zu versöhnen, indem er Karl Amon zum Radiodirektor machte – den sich Faymann eigentlich als ORF-General gewünscht hatte.
  • 2011, bei der ersten Wiederbestellung, holte er sich Stimmen in den Ländern (Tirols bürgerlicher Stiftungsrat wurde ORF-Landesdirektor) und beim Betriebsrat (einer der beiden roten Betriebsräte im Stiftungsrat wurde Technikdirektor), der blaue Verbindungsmann Thomas Prantner blieb zwar wegen auf vier reduzierten Direktorenjobs nicht Onlinedirektor, aber erster Vizedirektor des ORF, zuständig für Online, in der Technikdirektion.

Win by Changing The Team

Die bewährte Strategie wird Wrabetz wohl beibehalten, wenn die Regierung nach den Nationalratswahlen wechselt – und sein Direktorenteam beziehungsweise andere Führungsjobs neu besetzen.

Das aktuelle Direktorium kam 2016 ohne bürgerliche Wunschkandidaten (wie etwa Roland Weissmann, nun Vizefinanzdirektor) zustande: Kathrin Zechner musste schon die TV-Information an den ORF-General abgeben; die Programmdirektorin wird etwa vom neuen Fraktionschef der SPÖ-Stiftungsräte, Heinz Lederer, recht vehement angegriffen.

Monika Eigensperger ist Radiodirektorin, der durchaus bürgerliche, aber nicht bürgerlich verankerte Andreas Nadler Finanzdirektor und der langjährige rote Betriebsat Michael Götzhaber Technikdirektor.

Land-Karte

Bewährt hat sich auch, die Land-Karte zu ziehen: Eine Reihe von Stiftungsräten der Bundesländer haben 2016 einen eigenen, tunlichst fraktionsübergreifenden Freundeskreis gebildet. Der setzt sich – naturgemäß – für mehr regionales Programm aus den Landesstudios ein (ab 21. August gibt es Roland Brunhofers Morgenshow-Truck auch mittags und am Vorabend), gegen weitere Sparvorgaben für die Landesstudios (bis auf Salzburg, das Brunhofer schon recht forsch geführt hat).

Werden ihre Wünsche erfüllt, findet wohl auch der eine oder andere der ÖVP zugerechnete Stiftungsrat erfahrungsgemäß Wrabetz als ORF-General eigentlich ganz gut.

Und: Die Optik eines ruckzuck nach Regierungswechsel abberufenen ORF-Generals könnte auch international Assoziationen mit Ungarn oder Polen wecken. Auch unter bürgerlichen Stiftungsräten. (fid, 2.8.2017)

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