Neue Tarife bei S-Budget Mobile: Roaming nur mit Bonitäts-Check

    8. August 2017, 12:51
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    Bedingungen für Wertkartenangebote verlangen Registrierung für Telefonie- und SMS-Roaming – Datenroaming ausgeschlossen

    Der von Spar vermarktete Mobilfunker S-Budget Mobile (im Netz von T-Mobile beheimatet) hat aktualisierte Tarife vorgestellt. Sie nennen sich "Small", "Medium", "Large" und "Connect".

    Klein, Mittel, Groß, Daten

    Hinter "Small" verbirgt sich der übliche Basis-Tarif, in dem kein fixes Paket gekauft, sondern ohne Grundgebühr nach Einheiten abgerechnet wird. Verlangt werden hier 3,9 Cent pro Minute oder SMS bzw. 0,9 Cent pro Megabyte Datenverbrauch. Abgerechnet wird in Minuten bzw. 512-KB-Blöcken.

    Der kleinste, integrierte Tarif ist "Medium". Hier gibt es 1.000 Einheiten (Minuten/SMS) und 4.000 MB LTE-Datenvolumen (50 Mbit/s im Downstream) für 9,90 Euro monatlich. "Large" bringt ebenfalls 1.000 Einheiten, allerdings 6.000 MB Datenvolumen mit, hier fallen 13,90 Euro an.

    Wem diese Tarifstruktur bekannt vorkommt, der liegt richtig. "Hot", Yesss und auch andere Diskontanbieter warten mit identen bis sehr ähnlichen Paketen auf. Einen Unterschied gibt es beim reinen Datentarif "Connect", hier verlangt man 7,90 Euro für 4 GB. Das entspricht mit rund zwei Euro pro GB in etwa dem Preis von "Hot data" und "3 GB LTE" von Yesss. Letzterer Anbieter hat mit seinem 9-GB-Paket für 9,99 Euro ein einheitenbezogen auch deutlich günstigeres Angebot auf Lager.

    foto: screenshot

    Registrierungspflicht für EU-Roaming ohne Daten

    Große Differenzen lauern allerdings im Kleingedruckten. Denn im Gegensatz zu "Hot" und "Yesss" schließt S-Budget die Nutzung von Daten im EU-Ausland komplett aus. Gemäß der EU-Verordnung ist aber der Verbrauch des Telefonie- und SMS-Kontingents schon möglich – aber auch das nicht ohne Hürde.

    Wer Roaming nutzen will, muss sich dafür bei S-Budget Mobile registrieren oder Aufschläge (3,84 Cent pro Minute oder 1,2 Cent pro SMS) bezahlen. Im Rahmen dieser Registrierung muss ein Nutzer Name, Adresse und andere Daten bekanntgeben und zudem einer Weitergabe dieser Daten (sowie der aktuellen IP-Adresse, Browserinformationen und anderen technischen Informationen) an die in Wien beheimatete CRIF GmbH zustimmen. Laut dem Informationsfeld werden die Daten einmalig zur Identitätsüberprüfung und für einen Bonitätscheck genutzt.

    RTR: Identitätsprüfung "grundsätzlich zulässig"

    Der STANDARD hat den Telekomregulator RTR um eine Stellungnahme ob dieser Bedingungen ersucht. Die RTR betrachtet die Erfassung der Daten und ihre Übermittlung an ein Drittunternehmen für eine Identitätsüberprüfung als "grundsätzlich zulässig", da diese dem Nachweis eines "gewöhnlichen Aufenthalts" bzw. einer "stabilen Bindung" dient, wie sie in den Fair Use-Klauseln der EU-Roamingrichtlinien festgeschrieben sind.

    Diese schreiben vor, dass Kunden ihre Mobilfunkdienste primär im eigenen Land nutzen, da andernfalls Aufschläge verrechnet werden können. Unproblematisch ist auch der den Providern frei stehende Ausschluss von Datenroaming.

    foto: screenshot

    Bonitätsprüfung wird beanstandet

    Während mit den S-Budget Mobile-Tarifbedingungen die Anonymität von Wertkartennutzern, die in der EU roamen wollen, somit aufgehoben wird, verzichten Anbieter bislang auf Identitätsermittlungen. Es gibt sie weder bei "Yesss" (im A1-Netz), noch bei "Hot" (im T-Mobile-Netz). Die Registrierungspflicht findet jedoch bei Anbietern, die vollständig in die Infrastruktur von T-Mobile integriert sind – etwa Telering – und gilt natürlich auch für die eigenen Angebote von T-Mobile.

    Als bedenklich beurteilt die RTR allerdings, dass Nutzer auch einer Bonitätsprüfung zustimmen müssen. Was bei Vertragstarifen rechtfertigbar ist, erscheint für Prepaid-Wertkartenangebote als nicht notwendig. In der Fair Use Policy von T-Mobile wird der Finanzcheck auch nicht als Bedingung für die Inanspruchnahme von "Roam like at home" genannt. Man werde dieses Thema beim nächsten Meeting mit T-Mobile zum Roaming-Thema erörtern, heißt es dazu vom Regulator. (Georg Pichler, 08.08.2017)

    • Wer mit Wertkartentarifen von S-Budget Mobile roamen will, muss einem Identitätscheck und einer Bonitätsprüfung durch ein Fremdunternehmen zustimmen.
      foto: derstandard.at/pichler

      Wer mit Wertkartentarifen von S-Budget Mobile roamen will, muss einem Identitätscheck und einer Bonitätsprüfung durch ein Fremdunternehmen zustimmen.

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