Dschibuti: Die andere Seite der Schwimm-WM

    1. August 2017, 15:17
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    Meisterschaften im Armeebecken und letzte Plätze: Was Dschibuti mit globalem Schwimmsport zu tun hat

    Budapest – Sarah Sjoström. Caeleb Dressel. Katie Ledecky, Katinka Hosszú. In Österreich noch Felix Auböck – das waren die Namen der abgelaufenen Schwimm-WM. Und dann waren da noch Houssein Gaber und Safia Houssein Barkat. Gaber wurde über 50 m Brust 81. von 81 gestarteten Teilnehmern, über 50 m Freistil war er unter 118 Schwimmern Drittletzter. Barkat belegte im 50-m-Freistil-Bewerb der Frauen den vorletzten Rang. Gaber und Barkat sind derzeit die besten Schwimmer Dschibutis. Wer den globalen Schwimmsport verstehen will, muss auch sie beachten.

    Dschibuti hat genau ein Schwimmbad, das nicht zu einem Hotel gehört. Es ist ein Relikt der französischen Kolonialherrschaft, nun in Armeebesitz, drei Mal die Woche dürfen die rund 20 Schwimmer auf den vier Bahnen trainieren. Es lässt sich schon erahnen, wie rudimentär die Strukturen in dem 900.000-Einwohner-Land sind. "Die meisten lernen richtiges Schwimmen erst mit 15 Jahren. Es wäre toll, wenn wir schon mit vier Jahren beginnen könnten, dann würden wir vielleicht wie die Europäer am Podest stehen", sagt Ali Adabo Ali, der Präsident des nationalen Schwimmverbands.

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    Staatsmeisterschaften im "Piscine Force armée djiboutienne".

    Wer wie WM-Teilnehmer Gaber am Meer aufwächst, lernt es mit vier, fünf Jahren, allerdings "natürlich". Bis zur richtigen Technik dauert es noch ein Jahrzehnt. "Wir brauchen eine Strategie zur Ausbildung, wir müssen in die Schulen", sagt Adabo Ali. Fußball ist der populärste Sport im Land, auch Langstreckenlauf spielt eine starke Rolle – im Marathon gewann Dschibuti 1988 seine bisher einzige Olympia-Medaille. Schwimmen ist eine Randnotiz.

    Und hier kommt die Fina ins Spiel. Der Weltschwimmverband arbeitet auf drei Ebenen: Er finanziert Ausbildungsprogramme für Schwimmtrainer und -offizielle, auch Verbandscoach Houmed Ahman Mohamed, im Brotberuf Uni-Professor für Sport, durchlief ein solches. Dazu unterstützt die Fina "Swimming for All"-Workshops, in denen Kindern das Schwimmen als "Life Skill" kostenlos nähergebracht wird.

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    Ein "Swimming for All"-Workshop.

    Das Zugeständnis an den Spitzensport: Ein bis drei Schwimmer pro Land werden via "Universality Invitation" zu WM und Olympia eingeladen. Nicht ohne Hintergedanken, zusätzlich dürfen zwei Offizielle anreisen. Im Normalfall sind das ein Coach und der Verbandspräsident, Letzterer ist beim Fina-Wahlkongress stimmberechtigt. Diese finden immer im Rahmen einer WM statt.

    Wenn sich Europäer dann am Kopf kratzen, wenn Verbandspräsident Julio Maglione trotz aller Korruptionsvorwürfe gegen sein engstes Umfeld mit 77 Prozent der Stimmen wiedergewählt wird, sollten sie nach Dschibuti schauen. Wie in der Fifa gilt in der Fina das Prinzip "Ein Land, eine Stimme", Magliones schwache Anti-Doping-Politik spielt für einen Großteil der Nationen keine Rolle. Wer seine Meisterschaften im 20-Meter-Becken der Armee schwimmt, der hat andere Sorgen. (Martin Schauhuber, 1.8.2017)

    • Dschibutis Abordnung bei der Schwimm-WM. Von links: Houssein Gaber, Safia Houssein Barkat, Houmed Ahmed Mohammed, Ali Adabo Ali.
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      Dschibutis Abordnung bei der Schwimm-WM. Von links: Houssein Gaber, Safia Houssein Barkat, Houmed Ahmed Mohammed, Ali Adabo Ali.

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