Drei Tiroler ÖVP-Kandidatinnen ziehen wegen Grünberg zurück

    1. August 2017, 12:40
    1155 Postings

    Der schwarze Arbeitnehmerbund sah sich offenbar auf der Landesliste nicht ausreichend berücksichtigt – Landespartei: Kurz agiert in Einvernehmen mit Platter

    Innsbruck – Die "Neue Volkspartei" unter Sebastian Kurz ist mit ihren ersten öffentlichen Irritationen konfrontiert: Im Tiroler ÖAAB gärt es, die auf Platz drei der Landesliste vorgesehene Landtagsabgeordnete Bettina Ellinger hat ihre Kandidatur zurückgezogen. Auch zwei weitere Mitglieder des schwarzen Arbeitnehmerbunds haben mittlerweile angekündigt, nicht zu kandidieren.

    Ellinger, die FCG-Frauenvorsitzende Erika Landers und die Kufsteiner Bezirksfrauenvorsitzende Barbara Trapl zogen ihre Kandidaturen am Montag per E-Mail zurück, berichtete die "Tiroler Tageszeitung". "Die Begründung liegt sicherlich darin, dass die Arbeitnehmervertretung nicht in einem der Bedeutung absolut angemessenen und notwendigen Maß platziert wurde", sagt die Tiroler ÖAAB-Geschäftsführerin Tanja Rupprecht. Der AAB sei schließlich die Interessenvertretung von zwei Dritteln der Wähler.

    Ellinger war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar, sie ist auf Urlaub. Auch von der Tiroler ÖAAB-Chefin und Landesrätin Beate Palfrader gab es vorerst keinen Kommentar. Im ÖAAB dürfte jedenfalls der Unmut groß sein. Wie Insider der APA erklären, hat die Parteiführung mit der Spitze des Bundes im Vorfeld der Listenerstellung nicht einmal gesprochen. Dem Arbeitnehmerbund sei auch hinsichtlich der Kandidatenreihung etwas "anderes versprochen" worden.

    Kurz nutzte Durchgriffsrecht auf Landeslisten

    Palfrader und der Tiroler Arbeiterkammer-Chef Erwin Zangerl hatten laut "TT" den zweiten Platz auf der Landesliste für die Nationalratswahl gefordert. Schließlich habe aber Parteichef Sebastian Kurz vergangene Woche von seinem Durchgriffsrecht auf die Landeslisten Gebrauch gemacht. Spitzenkandidatin wurde damit die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg. Auf Platz zwei wurde Seilbahner-Chef und Wirtschaftsbund-Obmann Franz Hörl gereiht. Dieser und seine Wirtschaftsbund-Getreuen hatten zuletzt vehement auf einen aussichtsreichen Listenplatz gedrängt.

    In der Tiroler ÖVP sieht man indes keine gröberen Unstimmigkeiten. Nachnominierungen vor dem endgültigen Listenbeschluss seien nichts Außergewöhnliches, sagte Parteisprecher Sebastian Kolland der APA. Dass Kurz vom Durchgriffsrecht Gebrauch gemacht habe, stimme so nicht. Landeshauptmann Günther Platter habe schließlich bei der letzten Sitzung des Landesparteivorstands einstimmig das Pouvoir erhalten, gemeinsam mit Kurz die Landesliste zu erstellen.

    Indes wurde am Dienstag "im Einvernehmen" mit AAB-Chefin Palfdrader die Nationalratsabgeordnete Elisabeth Pfurtscheller nach Ellingers Rückzug auf Platz drei der Landesliste gesetzt. Auch diese komme schließlich aus dem ÖAAB, so Kolland. (APA, 1.8.2017)

    • Sebastian Kurz präsentierte die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg als Spitzenkandidatin in Tirol.
      foto: christian fischer

      Sebastian Kurz präsentierte die ehemalige Stabhochspringerin Kira Grünberg als Spitzenkandidatin in Tirol.

    Share if you care.