Österreichs Versorger Vorreiter bei Smart Meter

1. August 2017, 10:46
135 Postings

Österreichs Energieversorger sind laut einer neuen Studie in Sachen intelligenter Stromzähler weiter als die Schweiz oder Deutschland

Wien – Die Elektrizitätswirtschaft kann den ehrgeizigen Austro-Zeitplan für Smart Meter, der strenger ist als der EU-Rahmen, nicht einhalten, soviel ist seit geraumer Zeit bekannt. In Österreich sei dennoch die Transformation vergleichsweise weit fortgeschritten, so Stefan Uher, Partner und neuer "Energy Sector Leader" bei EY Österreich: "Österreichs Energieversorger sind Vorreiter bei der Umstellung auf intelligente Stromzähler: 57 Prozent haben bereits mit dem Rollout begonnen – fast doppelt so viele wie in Deutschland und der Schweiz, wo erst jeweils rund ein Drittel mit der Umstellung gestartet hat."

In Österreich sind die Anforderungen bei der Einführung intelligenter Stromzähler besonders hoch: Die Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung (IME-VO) gibt vor, dass 70 Prozent aller Zähler bis Ende 2017 auf intelligente Messgeräte umgestellt sein müssen. Bis Ende 2019 sollen 95 Prozent der österreichischen Haushalte mit neuen intelligenten Stromzählern ausgestattet sein, fünf Prozent der Haushalte sollen die Möglichkeit haben, sich dagegen auszusprechen.

Ein Drittel glaubt nicht an Umsetzungswerte

Laut Schätzungen der Netzbetreiber werden bis Ende 2017 nur 30 Prozent der österreichweit rund 6,16 Millionen Zähler von Haushalts-, KMU- und Landwirtschaftskunden umgestellt sein. Andere Umfragen gehen sogar von noch niedrigeren Umsetzungswerten aus.

Derzeit geht etwa ein Drittel der österreichischen Energieversorger nicht davon aus, die gesetzlichen Vorgaben zu erreichen, 62 Prozent haben zumindest Zweifel. Insgesamt werden die heimischen Stromnetzbetreiber in den kommenden vier Jahren rund vier Milliarden Euro in die Modernisierung, Instandhaltung und den Ausbau ihrer Infrastruktur investieren. Die größten Herausforderungen bei der Umstellung liegen aus Sicht befragten Energieversorger in der Auswahl der technischen Lösungen (48 Prozent) und dem Aufbau bzw. der Anpassung der IT-Systeme (43 Prozent).

Aufholbedarf bei IT-Sicherheit

Mit der zunehmenden Vernetzung von Stromzählern gewinne auch die Frage der IT-Sicherheit erheblich an Bedeutung. 91 Prozent der EVU in Österreich setzten sich intensiv mit der Sicherheit der eigenen Netze auseinander. "Im Vergleich zu Deutschland werden die Gefahren eines Netzausfalls infolge von Hackerangriffen allerdings deutlich geringer eingeschätzt: Nur 53 Prozent sehen darin eine Bedrohung – im Vergleich zu 73 Prozent in Deutschland", so EY. Gleichzeitig sei der Stand der bereits getroffenen Gegenmaßnahmen wie Installation eines IT-Sicherheitsbeauftragten oder eines Managementsystems für Informationssicherheit geringer ausgeprägt als in Deutschland.

"Die Digitalisierung im Energiebereich bietet vielfältige Chancen, erhöht aber auch Risiken. Viele Unternehmen unterschätzen noch die Tragweite der notwendigen umfassenderen Informationssicherheit, die auch zu Veränderungen in diversen Prozessen zwingt", so Uher. Die rein technische Sicherheit erscheine gut beherrschbar – der Umgang mit für kritische Infrastrukturen wichtigen Informationen erfordere jedoch zusätzlich organisatorische und prozessuale Veränderungen, auf die die Unternehmen oft noch nicht genügend vorbereitet seien.

Für die "Stadtwerke-Studie 2017" der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY wurden 214 Geschäftsführer und Vorstände von Energieversorgungsunternehmen im deutschsprachigen Raum, darunter 21 aus Österreich, befragt. (red, 1.8.2017)

  • Der intelligente Stromzähler soll beim Strom sparen nützlich sein.
    foto: reuters/lucy nicholson

    Der intelligente Stromzähler soll beim Strom sparen nützlich sein.

Share if you care.