Aufschwung kommt nicht bei Älteren und Langzeitarbeitslosen an

1. August 2017, 09:53
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Die Arbeitslosenzahlen sinken weiter, nicht alle profitieren

Wien – Der Wirtschaftsaufschwung lässt weiterhin die Arbeitslosenzahlen sinken. Ende Juli waren in Österreich im Vergleich zum Vorjahr 2,4 Prozent weniger Personen ohne Job, Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet also 370.386 Personen (-9.293). Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition sank um 0,5 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent.

foto: apa
Die Arbeitslosigkiet erreicht im Juli saisonbedingt immer ihren Tiefstand. Doch auch im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Jobsuchenden gesunken.

Ende Juli gab es 307.191 vorgemerkte Arbeitslose, das waren 4,4 Prozent weniger als im Juli 2016. Die Zahl der Schulungsteilnehmer beim AMS stieg hingegen um 8,2 Prozent auf 63.195, teilte das Sozialministerium am Dienstag mit. Seit Herbst 2016 sinken die Arbeitslosenzahlen, die damals ein historisches Rekordhoch erreicht hatten.

Viel mehr offenen Stellen

Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen schnellte um fast 50 Prozent auf 65.038 nach oben. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten stieg laut einer vorläufigen Prognose um 68.000 (+1,8 Prozent) auf 3,7 Millionen. Zum Teil führ das AMS diesen Sprung darauf zurück, dass mehr Firmen Jobausschreibungen beim AMS anmelden.

Dass die Zahl der offenen Stellen schneller wächst, als die Arbeitslosigkeit sinkt, spricht generell für einen sogenannten Missmatch am Arbeitsmarkt: Die Anforderungen der Jobs und die Qualifikationen klaffen auseinander. Das zeigt sich auch in der Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit.

Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt

Trotz guter Wirtschaftskonjunktur verfestigten sich die Langzeitarbeitslosigkeit und die Arbeitslosigkeit bei Personen über 50 Jahren, während Junge deutlich leichter eine Stelle finden.

Im Vorjahresvergleich gibt es in Österreich im Juli mehr Langzeitarbeitslose. Der sichtbare Rückgang 2017 ist saisonbedingt.

Langzeitarbeitslose suchen per Definition seit über einem Jahr nach einer Beschäftigung. Im Im Juli ist diese Personengruppe um 6,7 Prozent auf 58.566 gewachsen. Auch der demografische Wandel macht sich bemerkbar. Die Zahl der älteren Arbeitssuchenden (50 plus) ist im Jahresvergleich um 3,1 Prozent auf 92.270 gestiegen.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist weiter zurückgegangen. Im Juli sank die Zahl der unter 25-Jährigen auf Stellensuche um 13,4 Prozent (-5.366). Damit liegt Österreich im EU-Vergleich im Spitzenfeld. Gleichzeitig ist die Zahl der offenen Lehrstellen um ein Viertel gewachsen.

28.200 Flüchtlinge und Schutzberechtigte ohne Job

Im Juli waren 23.352 anerkannte Flüchtlinge und 4.851 subsidiär Schutzberechtigte, insgesamt also 28.203 Personen, beim AMS als arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juli 2016 ist dies ein Anstieg von rund 12 Prozent. Viele von ihnen besuchen derzeit Deutschkurse und andere Schulungen. Seit Monaten sinken die Zahlen leicht, im Februar waren es noch 29.146 Personen.

Im Juli waren 20.668 Männer und 7.535 Frauen als anerkannte Flüchtlinge und Schutzberechtigte beim Arbeitsmarktservice (AMS) registriert. Davon kamen 12.665 aus Syrien, 5.349 aus Afghanistan, 3.210 aus Russland und 1.828 aus dem Irak, teile das AMS auf APA-Anfrage mit. Schutzberechtigte haben kein Asyl erhalten, aber ihr Leben oder ihre Gesundheit wird etwa in Afghanistan oder Somalia bedroht und daher dürfen sie vorerst in Österreich bleiben.

Innerhalb Österreichs sind die arbeitslosen Flüchtlinge sehr unterschiedlich verteilt: Ein Großteil der Personen sind in Wien (17.643), gefolgt von Oberösterreich (2.768), Niederösterreich (2.723) und Steiermark (1.852). Deutlich weniger anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte sind in Salzburg (820), Kärnten (752), Tirol (748), Vorarlberg (672) und dem Burgenland (225) beim AMS registriert.

Anerkannte Flüchtlinge und Schutzberechtigte stellten im Juli einen Anteil von 7,6 Prozent aller beim AMS vorgemerkten Personen und Schulungsteilnehmer dar.

Das AMS hat sich auf einen hohen Flüchtlingsandrang vorbereitet. Seit Februar stagniert aber die Zahl der anerkannten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten ohne Job. Lang andauernde Asylverfahren sind ein Mitgrund für die Stagnation der Zahlen. Dies ist nach Ansicht von Experten problematisch für die künftige Arbeitsmarktintegration. (APA, slp, 1.8.2017)

  • Seit Herbst 2016 sinken die Arbeitslosenzahlen, die damals ein historisches Rekordhoch erreicht hatten. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen schnellte um fast 50 Prozent auf 65.038 nach oben.
    foto: apa/ralf hirschberger

    Seit Herbst 2016 sinken die Arbeitslosenzahlen, die damals ein historisches Rekordhoch erreicht hatten. Die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen schnellte um fast 50 Prozent auf 65.038 nach oben.

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