Suizidbezogene Suchanfragen durch Netflix-Serie angestiegen

    1. August 2017, 10:03
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    "Unsere Ergebnisse bestätigen die schlimmsten Befürchtungen der Kritiker der Serie", sagt der Wissenschafter John Ayers von der San Diego State University

    Miami – Nach dem Start der umstrittenen Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" haben Wissenschafter in den USA einen starken Anstieg der Online-Suchanfragen zu Suizid und Suizidmethoden festgestellt. Nach dem Serienstart am 31. März sei bei Google Trends ein Anstieg der suizidbezogenen Suchanfragen um 19 Prozent verzeichnet worden, schreiben Forscher in einer am Montag veröffentlichten Studie.

    Ob die Serie, in der es um den Suizid einer Schülerin geht, tatsächlich zu Nachahmungstaten führte, wurde in der Studie allerdings nicht untersucht. Trotzdem zeigten sich die Autoren von den Befunden alarmiert. "Unsere Ergebnisse bestätigen die schlimmsten Befürchtungen der Kritiker der Serie", sagt der leitende Autor John Ayers von der San Diego State University. Menschen mit Suizidgedanken könnten durch die Serie dazu animiert werden, sich über Selbsttötungen zu informieren.

    Suchanfragen gestiegen

    Insgesamt habe es den ersten 19 Tagen nach der Veröffentlichung der Serie 900.000 bis 1,5 Millionen suizidbezogene Suchanfragen mehr gegeben als zuvor, erklärte Informatikprofessor Mark Dredze, einer der Ko-Autoren der Studie.

    Den größte Anstieg gab es demnach bei der Suchanfrage "Wie man Suizid begeht", auch "Suizid begehen" und "Wie man sich selbst tötet" wurden demnach häufiger in die Suchmaschine eingegeben. Anstiege wurden aber auch bei Anfragen zu "Suizid-Hotline" und "Suizid-Prävention" registriert.

    In der Serie "Tote Mädchen lügen nicht" (Originaltitel: "13 Reasons Why") geht es um den Suizid einer Schülerin. Ihr Freund erhält einen Karton mit Kassetten, auf denen seine Freundin die Gründe für ihren Schritt darlegt. Während Fans der Serie die ehrliche Schilderung von Teenager-Problemen loben, kritisieren Gegner die explizite Darstellung des Suizids in der letzten Folge und mangelnde Hinweise auf Hilfsangebote für suizidgefährdete Jugendliche. (APA, AFP, 1.8.2017)

    Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

    kriseninterventionszentrum.at

    Soforthilfe:

    Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr: Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

    Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

    Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

    Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

    Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

    Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

    Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

    Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

    Originalstudie:

    Internet Searches for Suicide Following the Release of 13 Reasons Why

    Zum Weiterlesen:

    Leben nach dem Suizidversuch: Der Sprung und das Danach

    Suizid: Wut, Schuldgefühle, Scham

    "Tote Mädchen lügen nicht": Kinderärzte fordern Verbot der Serie

    • Die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" sorgt für Aufregung – auch unter Wissenschafter.
      foto: apa/ap/beth dubber

      Die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" sorgt für Aufregung – auch unter Wissenschafter.

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